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Ab wann ist der Mensch ein Mensch?

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messie:

--- Zitat ---Um das Altwerden kommen wir alle nicht herum - dieser Vergleich hinkt doch aber auch: Altern und dann aufgrund dessen irgendwann Sterben sind natürliche Prozesse, "Vorkommnisse", die nicht unbedingt (mehrheitlich) auf extreme Art oder sehr dramatisch verlafuen müssen und die man teilweise auch steuern/selbst beeinflussen kann, die außerdem das Leben nicht per se "nicht (mehr) lebenswert" machen.

--- Ende Zitat ---

Nee, da hinkt mal so garnix  :P

Das Problem des Alterns ist, dass es oft in Schüben geschieht.
Die Gebrechlichkeit entsteht oftmals nicht langsam, sondern aufgrund konkreter Ereignisse, die den eigenen Zustand rapide verschlechtern. Ein Sturz etwa, ein Schlaganfall, ein Schicksalsschlag (Verwandter stirbt z.B.) ... alles Dinge, die auf einmal eine eigentlich zuvor rüstige Person in die Pflegestufen treiben.

Um mal beim Thema zu bleiben: "Lebenswert" empfindet im Alter dann jeder etwas Anderes. Jemand der auf seine geistigen Leistungen sehr stolz war wird es schrecklich finden wenn sein Hirn in Mitleidenschaft gezogen wurde, jemand der immer körperlich seine Erfüllung fand (z.B. das Malen) wird bei z.B. gelähmten Armen eine erhebliche Einbuße an Lebensqualität haben usw.
Ab wann sich ein Mensch dann nicht mehr als Mensch fühlt, ist demzufolge extrem individuell.

Die Volllähmung mag ein Extrem sein, im Prinzip stellen sich hier aber dieselben Fragen: Was war der Person vorher am Wichtigsten, kann sie dies auch heute noch in irgend einer Form wahrnehmen?
Wenn jemand "nur" eine Hand nicht mehr bewegen kann, aber sein Leben lang seine Erfüllung im Golfen hatte, der wird auch mit diesem bisschen Gicht in der Hand möglicherweise schon sagen, dass sein Leben keinen Sinn mehr macht, während ein Vollgelähmter z.B. es anders sehen kann, weil er z.B. noch mit Augenbewegungen ein Buch schreiben kann - etwas ,wofür diese Person zuvor vielleicht nie Zeit hatte.

"Hier bin ich Mensch, hier darf ich es sein." ist halt für jeden etwas anderes. :)

Kallisti:

--- Zitat ---Die Volllähmung mag ein Extrem sein, im Prinzip stellen sich hier aber dieselben Fragen: Was war der Person vorher am Wichtigsten, kann sie dies auch heute noch in irgend einer Form wahrnehmen?
--- Ende Zitat ---


messie - ich glaube, du hast nicht so ganz verstanden - es ist eine Sache, ob man durch das Alter mal schubweise oder allmählich eingeschränkter wird ... - eine ganz andere Sache ist es, wenn ein wacher Geist (Verstand, Bewusstsein) in einem nicht (so gut wie gar nicht - oft nur die Augen und Ohren) "benutzbaren" Körper gefangen ist.

Was sollen Menschen mit locked in syndrom bitte "noch in irgendeiner Form wahrnehmen" - von den Dingen, die "der Person vorher am wichtigsten waren"???

Um es auf den Punkt zurückzubringen, frage ich dich nochmal:

Willst du also das ("normale", natürliche) Altern von Menschen mit einem locked in syndrom (diese beiden Zustände) vergleichen bzw. gleichsetzen? ??

Kaffeebohne:
Ich kenne die Filme nicht, und habe mich auch noch nicht mit dem locked-in-syndrom beschäftigt.

Von daher kann ich mir keine Vorstellung machen, ob und was ein Patient von seiner Umwelt mitbekommt. Für MICH ist die Vorstellung schrecklich, reglos in meine Hülle gefesselt zu sein.

Aber der Vergleich mit dem Alterungsprozess hinkt doch ziemlich. Der betrifft uns alle irgendwann einmal (es sei denn, das Leben ist vorher zu Ende), von daher ist man an den Gedanken "gewöhnt", nicht jedoch an den eines plötzlichen Schicksalsschlags.

messie:

--- Zitat ---Willst du also das ("normale", natürliche) Altern von Menschen mit einem locked in syndrom (diese beiden Zustände) vergleichen bzw. gleichsetzen? ??
--- Ende Zitat ---

Nein. Im Gegenteil, ich meine dass das locked-in-Syndrom dermaßen exotisch ist, dass sich dazu schlicht keine Meinung bilden lässt. Es ist eine ebenso hypothetische Frage wie "was würdest du machen, wenn du eine Milliarde Euro gewinnen würdest?" - etwas, das so weit weg vom Jetzt ist, dass es schwerlich gelingen wird, sich in diese Situation wirklich hineinzuversetzen.

Mal ein anderes Beispiel: Wenn ich jetzt die Frage stellen würde "was würdest du tun, wenn du nicht mehr hören könntest?"
Für viele hier wird es ganz, ganz schrecklich sein, weil Musik für sie alles ist (immerhin identifiziert sich diese "schwarze Szene" ja zu einem guten Teil über die Musik).
Dennoch wird niemand sagen können wie es dann wirklich wäre, wenn es so weit wäre. Einfach, weil sich gewisse Umstände erst in der Situation selbst ergeben und Fragen erst dann beantwortet können.

Ich selbst jedenfalls wüsste nicht, wie schrecklich es für mich wäre, wenn mir das "locked-in-Syndrom" widerfahren würde. Erstens wüsste ich ja nicht was ich noch wirklich machen kann (Augenbewegungen doch noch möglich oder nicht?) und zweitens nicht was für technische Hilfsmittel mir zur Verfügung stehen. Das Schachbeispiel hatte ich ja schon genannt, als leidenschaftlicher Schachspieler würde mir dieses Hobby, wenn ich es in jener Situation weiter ausüben könnte, sicher sehr viel geben.

Aber, wie gesagt, ich kann schlicht nicht wissen wie es dann wäre. "Oh, ganz ganz schrecklich" kann ich sicher sagen, aber wie schrecklich es dann in Echt für mich wäre - ganz ehrlich - keine Ahnung.
Denn schließlich lebe ich nach dem Motto "was man nicht ändern kann, darüber braucht man sich dann auch nicht lange zu ärgern", ich nehme es als gegeben hin und mache das Beste draus.

Kaffeebohne:

--- Zitat von: messie am 11 Juni 2011, 14:04:50 ---Es ist eine ebenso hypothetische Frage wie "was würdest du machen, wenn du eine Milliarde Euro gewinnen würdest?" - etwas, das so weit weg vom Jetzt ist, dass es schwerlich gelingen wird, sich in diese Situation wirklich hineinzuversetzen.

--- Ende Zitat ---
Da würde mir einiges einfallen!  :D

Kann man auch nicht vergleichen, weil so ein fetter Geldgewinn ja was nettes ist, eine Behinderung allerdings eins der letzten Dinge, die man sich wünscht.  ;)

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