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Familie = ?

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Kallisti:
Kaffeebohne

Ja, es ist wohl gerade das aber doch oftmals schwierig: so leben wie man möchte und wie es einem guttut (wobei da auch ein "oder" angebracht wäre ... ;) ).

Da das seit Menschengedenken "oft" nicht so möglich/der Fall ist (war, sein kann ...), gibt es eine gewisse Unzufriedenheit oder auch Not oder auch Leid(en) oder auch Mangel oder auch Leere - oder auch: Überfluss (der zu Frustration, Leere, Mangel etc. -gefühlen - falsche Orthographie, sorry, mir grad zu umständlich - führen kann).

Und ganz besonders und vor allem und überhaupt: in der Gewissheit des Endes, der Endlichkeit, der Veränglichkeit, des Begrenztseins all des (evtl. tatsächlich erlebten/gelebten: "guten"? angenehmen? hedonistischen? ;) ) Lebens, stellt sich dann (irgendwann - bei Manchen früher, bei anderen erst im Angesicht des - eigenen - Todes) die Frage nach dem "Sinn des Ganzen" ;).

BellaMorte:
"Einfach leben" ist meiner Meinung nach wirklich was, was sich in den seltensten Fällen umsetzen lässt- dafür ist unsere Gesellschaft einfach zu komplex und alles, was man tut oder nicht tut, zieht irgendwelche Konsequenzen nach sich.
Auch das Glücklichsein ist heute finde ich nicht wirklich einfach. Man zweifelt doch immer: Ist es so gut für mich? Oder doch vielleicht anders besser?
Und spätestens wenn man ner Partnerschaft ist oder Familie hat, muss man denke ich Kompromisse eingehen und kann nicht mehr völlig seinen eigenen Weg gehen.

Zum ursprünglichen Thema "Familie": Ich denke, eine gute und intakte Familie nicht unbedingt heißen muss, dass Vater, Mutter und Kinder zusammen leben müssen- es geht sicher auch als "Patchworkfamilie" oder als Familie aus einem alleinerziehenden Erwachsenen und Kindern- oder auch in der Kombination mit Großeltern. Und ich glaube es funktioniert in jeder Kombination, wenn man die anderen Familienmitglieder so akzeptiert, wie sie sind, sie schätzt, Streitigkeiten aushalten kann und sich einfach um das zwischenmenschliche Verhältnis bemüht. Also: Familie erfordert ein hohes Maß an sozialer Kompetenz - die hat leider nicht jeder...ich selbst hatte leider nicht das Glück, in meiner Kindheit ein intaktes Familienleben zu haben aber ich sehe bei Freunden, dass es gehen kann und hoffe mal, dass ich das später mit meiner eigenen Familie auch hinbekomme ;-)

Noch ein Gedanke dazu, der mir aufgrund meiner Erlebnisse wichtig ist: Familie im Sinne von "Blutsverwandtschaft" wird vielleicht auch überbewertet. Wenn zwischen zwei Menschen die Verwandtschaft die einzige Verbindung ist, ist es vielleicht nicht sinnvoll, diese Beziehung nur deshalb zu suchen bzw. aufrecht erhalten zu wollen. Manchmal stehen einem Menschen, mit denen man nicht verwandt ist, viel näher.

nightnurse:

--- Zitat von: BellaMorte am 17 Juli 2011, 17:28:24 ---Familie im Sinne von "Blutsverwandtschaft" wird vielleicht auch überbewertet. Wenn zwischen zwei Menschen die Verwandtschaft die einzige Verbindung ist, ist es vielleicht nicht sinnvoll, diese Beziehung nur deshalb zu suchen bzw. aufrecht erhalten zu wollen. Manchmal stehen einem Menschen, mit denen man nicht verwandt ist, viel näher.

--- Ende Zitat ---

Letzteres auf jeden Fall.
Ersteres vielleicht auch.
Aber ich finde es doch bemerkenswert, dass ich mit Verwandten, mit denen ich im Leben nicht viel Kontakt hatte, trotzdem spontan sowas wie Rapport herstellen kann. Die ticken irgendwie ähnlich wie ich und so muss ich im Umgang mit denen z.B. nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, die verstehen mich schon.
Das funktioniert natürlich nicht mit allen, aber mit Verwandten halt öfter als mit Fremden.

Kallisti:

--- Zitat ---Ich denke, eine gute und intakte Familie nicht unbedingt heißen muss, dass Vater, Mutter und Kinder zusammen leben müssen- es geht sicher auch als "Patchworkfamilie" oder als Familie aus einem alleinerziehenden Erwachsenen und Kindern- oder auch in der Kombination mit Großeltern.
--- Ende Zitat ---
(BellaMorte)

Naja, in der Theorie geht das sicher alles - in der Praxis gestaltet es sich schon bedeutend schwieriger - grade was Patchwork anbelangt. Und bei Alleinerziehenden - wie gesagt: so lange es noch andere Bezugsperson(en) gibt - nicht so für ein halbes Jahr/Jahr, sondern schon "längerfristig"/beständig, dann ok. Aber damit ist das heute auch schwierig - wenn bspw. der (zumeist) Vater sich nicht "kümmern" will ... und/oder Großeltern entweder gar nicht vorhanden sind oder zu weit entfernt leben oder zu wenig Zeit haben oder das Verhältnis schlecht ist ...

Klar, wie ich schon schrieb - man muss nicht zwangsläufig im selben Haushalt leben, aber in (für die Kinder) erreichbarer Nähe ist schon sehr von Vorteil.



--- Zitat ---Also: Familie erfordert ein hohes Maß an sozialer Kompetenz
--- Ende Zitat ---
(BM)

Das sicher - aber auch in Freundschaften, überhaupt zwischenmenschlichen Beziehungen erforderlich.



--- Zitat ---Familie im Sinne von "Blutsverwandtschaft" wird vielleicht auch überbewertet. Wenn zwischen zwei Menschen die Verwandtschaft die einzige Verbindung ist, ist es vielleicht nicht sinnvoll, diese Beziehung nur deshalb zu suchen bzw. aufrecht erhalten zu wollen. Manchmal stehen einem Menschen, mit denen man nicht verwandt ist, viel näher.
--- Ende Zitat ---
(BM)

Wenn man das so "hat", "lebt", ist das toll. Allerdings sehe ich es nun mal aus der Perspektive sowohl des (selbst gewesenen) Kindes als auch der (aktuell "seienden") Mutter. Will sagen, es sollte schon möglich sein, dass Kinder tatsächlich von ihrem "Herkunftsrecht" Gebrauch machen können - indem sie sich selbst - anhand der betreffenden Menschen (Eltern bspw. zunächst mal) - ein Bild von ihrer Herkunft, ihren "Wurzeln", ihrer "Abstammung" machen können - schon da liegt es oft im Argen.
Dann sollte es ein Umgangsrecht nicht nur für (getrennt lebende, nicht sorgeberechtigte) Väter, sondern auch und gerade für die Kinder geben - das aber scheitert daran, dass es für Väter zwar ein Umgangsrecht aber keine Umgangs"pflicht" bzw. - verantwortung gibt bzw. es keine negativen Konsequenzen für Väter nach sich zieht (wohl aber für die Kinder ! ! ! ), wenn diese Väter einfach mal so gar kein Interesse an und noch weniger Bock auf (Umgang mit) ihre(n) Kinder haben.


Außerdem kommen noch ganz alltägliche, praktische Dinge hinzu: Wenn mein Kind z.B. krank ist und mitten in der Nacht zu einem Arzt oder Krankenhaus gefahren werden muss (was dann mit ÖPNV für ein so krankes Kind nicht zumutbar, auch nicht machbar ist!!), kann ich da nicht unbedingt erwarten, dass Freunde das machen - da sie entweder selbst Kinder zu versorgen haben und/oder morgens wieder fit beim Job sein müssen. Auch kann ich nicht erwarten, dass diese Freunde mehr oder weniger regelmäßig als Eltern- bzw. Vaterersatz fungieren und wirkliche Bezugspersonen für meine Kinder sind.
Dann sei auch noch erwähnt, dass ich "meine" Freunde auch ganz gerne wirklich mal für mich "haben" möchte und nicht immer - zwangsläufig - mit meinen Kindern/meinem Kind "teilen" will - sondern einfach da mal kinderfreie Zone sein können sollte.

Und schließlich - gerade was die jeweiligen Beziehungen angeht: ein (liebevoller, fürsorglicher, verantwortungsvoller) Vater ist genauso wenig durch "Freunde" zu ersetzen wie (ebensolche) Großeltern - es ist eine ganz eigene Art von Beziehung. Großeltern ja schon alleine durch ihr Alter, ihre Lebenserfahrung, ihre "andere Art" sich zu verhalten usw.

Das alles ist nicht "austauschbar" und können noch so enge Freunde nicht ersetzen, für die Kinder nicht sein.



Kaffeebohne:

--- Zitat von: Kallisti am 17 Juli 2011, 18:43:11 ---
--- Zitat ---Also: Familie erfordert ein hohes Maß an sozialer Kompetenz
--- Ende Zitat ---
(BM)
Das sicher - aber auch in Freundschaften, überhaupt zwischenmenschlichen Beziehungen erforderlich.

--- Ende Zitat ---
Freunde erwarten da sogar mehr als Familienmitglieder, würd ich mal behaupten. Meine Familie ist doch was anderes als Freunde. Die Familie ist immer da, und man rauft sich eher zusammen (vielleicht auch, weil man es irgendwie "muß"). Wenn eine Freundschaft nicht mehr funktioniert (über längere Zeit), dann wird sie weniger. Ist bei der Familie auch so, aber irgendwie ist schon was dran, daß Blut dicker ist als Wasser. *find*

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