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öffentliche Kritik an Kinderkrippen, früher Fremdbetreuung in Kitas

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Kallisti:
ENDLICH - endlich gibt es auch mal kritische Stimmen zum "deutschen Krippenwunder"!

Anfangs geht es vor allem um Alltag in Kinderkrippen, ab der ca. 21. Minute kommen dann auch "Experten" zu Wort und äußern ihre Sorge bzw. Begründungen dafür ...

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitfragen/1670387/

Hier wird endlich angesprochen, was mich seit Jahren umtreibt, aufregt ...:

Es sind in der Mehrzahl der Krippen zu viele Kinder bzw. zu wenige BetreuerInnen (ja, sind fast ausnahmslos ja Frauen).

Als Mindeststandard müssten es maximal 4 Kinder auf eine Betreuungsperson sein, das aber gewährleisten - wenn - nur sehr teure Kitas (Kostenpunkt: €1.000,- im Monat pro Kind/Krippenplatz !).

Bei allen anderen kommen zwischen 13 und 17 Kindern auf eine Betreuerin!

Dass das nicht nur für die Erzieherinnen Stress ohne Ende ist, sondern auch und gerade für die Kinder und warum, kann man im Radiobeitrag (s.o.) erfahren (oder das Manuskript lesen, siehe im Link oben angegebene Hinweise).


Meine Rede: Diese Kinder (unter Dreijährige) brauchen unbedingt und ganz dringend BEZUGSpersonen: bleibende, nicht wechselnde - für ihre gute, gesunde Entwicklung. Und wenn die Eltern das nicht sein können und/oder wollen, dann muss wenigstens in Kitas dies durch eine bestimmte Betreuerin für das jeweilige Kind gegeben sein. Andernfalls leiden die Kinder. Und das auf ganz unterschiedliche Art (nicht alle weinen, schreien, toben, wüten, jammern ... - manche sind auch still, ziehen sich zurück, fallen kaum bis gar nicht auf, laufen mit oder "bleiben zurück" ... oder passen sich sogar extrem gut an, so dass man bei ihnen am wenigsten denkt, sie haben mit der Situation "ein Problem" ... - siehe Beitragsende/Radiobeitrag).

Und eben diese Beziehung kann in den meisten Kindertagesstätten/Kinderkrippen NICHT gewährleistet werden - IST nicht!

Dass sich die negativen Folgen daraus auf das gesamte spätere Leben dieser Kinder nicht nur wahrscheinlich, sondern ganz sicher auswirken, wird hier endlich auch gesagt und auch, welche Formen das annehmen kann.

Es IST einfach eine sensible Phase (mindestens bis 3 Jahre, eher noch bis 4!), eine wichtige Zeit. Die Kinder brauchen da noch sehr viel Bindung, Nähe, emotionale Wärme (auch/gerade und vor allem: körperlich: gehalten, getragen werden ...), Geborgenheit, liebevolle Zuwendung, Aufmerksamkeit ...

Aber genau das können die Betreuerinnen ihnen nicht geben, weil: es zu wenige sind (auf zu viele Kinder).


Was mich dann auch noch immens nervt - bei allem Verständnis für "Frühforderung" - dass über die Kinder und ihre Betreuung gesprochen wird wie über einen Gegenstand bzw. eine "Investition", ein Ding, aus dem es das Beste rauszuholen gilt ... Als sei Kinderbetreuung auch sowas wie ein Auto- oder Möbelkauf oder Geldanlage.

Aber mit den Qualitätsstandards ist es gerade hier, bei der Kinderbetreuung, eben weit her - und wie auch gesagt wird: hier kann man nichts "umtauschen", wenn sich zeigt, dass etwas schiefgegangen ist - denn das Kind hat das in der bisherigen Zeit "mitgemacht", abgekriegt, verinnerlicht ... - und bis sich das zeigt und bis Eltern oder sonstige Involvierte bereit sind, das auch erst mal zu erkennen, (ein-)zusehen, zuzugeben, festzustellen - vergeht: ZEIT, wertvolle Zeit.

Und die Kinder selbst sind ja eben noch viel zu klein, als dass sie genau sagen könnten, was warum wie nicht gut für sie ist, sich nicht gut anfühlt ... - sie reagieren nur so, wie es ihnen in diesem Alter möglich ist: weinen, schreien, auffallen, aggressiv werden, sich zurückziehen, resignieren, sich anpassen, aufgeben ... - und es liegt alleine in der Urteilsfähigkeit der Erwachsenen (sowohl der Eltern als auch der Erzieher, aber nicht selten wäre dann doch ein Kinderpsychologe oder -psychiater vonnöten!), das richtig zu deuten, zu erkennen, zu interpretieren, vor allem: ernst zu nehmen und dann: Konsequenzen daraus zu ziehen: nicht im Interesse der Wirtschaft oder der Politik oder eigener Interessen, sondern: im Interesse der Kinder. Gerade weil diese so klein noch so hilf-/wehrlos und abhängig, ausgeliefert sind! Angewiesen: auf das Urteil, die Erfahrung, das Wissen und das richtige Verhalten der Erwachsenen!


Dieses ganze Bildungsgelaber ist zum Kotzen. Kinder entwickeln sich gut und gesund, wenn die sie umgebenden Umstände, die Verhältnisse es zulassen, ermöglichen. Und diese guten Verhältnisse zu schaffen und stabil zu halten, liegt in der Verantwortung zunächst der Eltern - sie entscheiden. Aber sie entscheiden längst nicht (mehr) alleine - die ganze Gesellschaft sitzt im Nacken und entscheidet mit, macht Druck ... - vor allem eben nun die Politik (immer frühere Fremdbetreuung, immer mehr Kinderkrippenplätze soll es geben - und erwartet wird von den Eltern, diese frühe Fremdbetreuung auch "anzunehmen").

Es geht nur um Quantität, nicht um Qualität - es wird NICHT im Sinne und zum Wohle der Kinder entschieden.


Und ja, nur weil das in anderen Ländern, Staaten, Systemen so ähnlich oder noch schlechter abläuft, heißt das nicht, dass man das dann auch noch selbst so übernehmen sollte - nur weil es bei den anderen "doch auch so ist". (Frankreich wird ja immer gern erwähnt oder die DDR ...).


Jedenfalls kann ich immer wieder nur Dr. Rüdiger Posth in diesem Zusammenhang empfehlen, aber auch Professor Remo Largo. Wenn man schon was lesen will ("Ratgeber"), dann diese beiden.


Es wird schätzungsweise ca. 20 bis 30 Jahre dauern, bis da ein Umdenken stattfindet. Bis diese heutigen Krippenkinder erwachsen sind und selbst Kinder kriegen, sich dann erinnern und es dann für ihre Kinder anders, besser haben wollen ...  Wie immer halt - das ewig gleiche Spiel. Auf Kosten der Kinder, der Versuchskarnickel.

Es sei denn, die kritischen Stimmen haben die Möglichkeit, lauter zu werden, mehr Gehör zu finden - und auf eine "einsichtige", "kinderfreundliche", nicht rein ökonomisch ausgerichtete Politik zu treffen ... die die Gesetze macht - und damit Druck ausübt, Macht hat ...

EcceRex:
Ich kann hier nur aus zweiter Hand berichten, da ich selbst keine Kinder habe, aber, eine Mutter, die Erzieherin ist...früher in Kitas, heute im Hort.

Grundsätzlich stimme ich Dir zu...zu viele Kinder auf zu wenig Erzieher/innen (im Übrigen gibt es auch Männers, wenn auch tatsächlich sehr wenige). Der Punkt ist aber, die meisten Einrichtungen sind teilweise staatlich und/oder durch freie Träger gestützt. Um die Erzieher zu bezahlen bedürfte es auch privater Stütze und das kann und will sicher kaum Jemand bezahlen. Oder eben die Gehälter müssen reduziert werden, welche im Übrigen nicht sonderlich hoch sind.

Ich denke, das Thema Kinderbetreuung in entsprechenden Einrichtungen ist ein Teufelskreis...wer entsprechende Leistungen will, der muss sie bezahlen. Kann oder will man das?! Selten wird diese Frage mit 'ja' beantwortet.
Zu DDR-Zeiten war der Schnitt im Übrigen kaum anders wie heute...es gab nur mehr Einrichtungen...und vllt auch insgesamt kleinere Gruppen. Für mich ist aber die DDR aus verschiedenen Gründen mit heute nicht mit der heutigen Gesellschaft vergleichbar.

Ich denke, es wird sich zu einfach gemacht, wenn gesagt wird, das die späteren Probleme der Kinder in den Kitas entstehen. Meist gehört da sehr viel mehr dazu. Meine Ma nennt häufig auch das Elternhaus, den Stressfaktor der heutigen Gesellschaft und einige Dinge mehr als Ursachen für die Probleme. Die Erzieher bekommen derzeit recht viele Weiterbildungen und es werden Problempunkte unterrichtet.
Man kann sicher nicht jedes Kind gleichermaßen betreuen, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es in jeder Kita solche Extreme gibt. Habe ich so nicht kennen gelernt. Aber ja, als Eltern muss man bei der Wahl sicher gut hinschauen...und zumindest hat man die Wahl, wenn auch bei so geringem Angebot an Einrichtungen (zumindest im Raum HH).
Dennoch würde ich mein Kind, sofern ich eins hätte, auch in eine Kita geben, damit es den Umgang mit anderen Kindern kennen lernt, denn das tut es selten daheim nur im Elternhaus. Mein Kind sollte lernen, wie man sich gegen andere durchsetzt, was Gesellschaft bedeutet. Es ist aus meiner Sicht falsch, den Erziehern diese Aufgabe, diese Verantwortung, allein aufzugeben, eben Eltern und der Rest der Gesellschaft gehören genau so dazu.

Ich gebe Dir Recht, das die Zeit, die den Erziehern für die Arbeit am Kind sehr sehr knapp bemessen ist, viel zu wenig ist, um den Kindern den entsprechenden letzten Schliff zu geben. Das bemängeln auch die Erzieher. Aber, die Kassen für das Sozialwesen sind ziemlich leer. Woher also nehmen?

Und das ist das, was mich am meisten an Aufruhr und an den Pranger stellen ärgert, es wird geschimpft und gesagt, leider aber selten was getan...und schon gar keine Lösungen oder Vorschläge dazu gemacht, wie sich das Problem lösen lässt. Sich der Gedanke, zapft hier was ab oder dort klingt verlockend...aber welcher Rentner will schon auf seine Rente verzichten oder welcher Arbeitslose auf seine Stütze oder oder oder. Meist kommt es darauf hinaus, das entweder nichts passiert oder es auf den Schultern des Mittelstandes gelastet wird (oder auf Kosten der Kinderlosen...aus welchen Gründen auch immer sie das sind).

Ich habe meine Mutter in ihrem Leben als Erzieherin begleiten dürfen sowohl zu DDR-Zeiten als auch jetzt und habe viele Gespräche mit ihr geführt...sehr interessant und aufschlussreich. Naja, was soll ich noch sagen, es obliegt auch jedem Erzieher, welche Erziehungsphilosophie er hat...und wie er mit Kindern umkann etc. Ein unerschöpfliches Thema eben.

schwarze Katze:
Also wenn ich einen Kind bekommen werde, werde ich ihn in die Krippe geben: ich möchte nämlich, dass mein Kind ein vernünftiger Deutsch lernt und nicht mein "Kanackisch".

Viele Migrantenkinder, die zu Hause bleiben, kommen mit so einem miserablen Deutsch in dei Schule, dass sie den Rückstand nie nachholen und auf "Rest"schulen landen

Kallisti:
EcceRex

... ja, natürlich findet Erziehung und "Förderung" auch und gerade im Elternhaus statt, nicht ausschließlich in einer Kita oder einem Kiga. Und natürlich tragen Kinder "Schäden" nicht per se deshalb davon, weil sie in eine Kita gehen.

Das Problem ist nicht, dass Kinder in überfüllten Kitas "zu wenig frühgebildet"/"gefördert" werden (das auch, aber das ist nicht, was später im Leben dieser Kinder zu Schwieirigkeiten im Emotionalleben und in Beziehungen führt - die "mangelhafte Frühförderung" wie sie in der Radiosendung auch angesprochen wird, hat u.U. auch negative Folgen - bloß eben keine so gravierenden! Und die mangelnde Förderung in der Kita lässt sich aber durchaus ggf. zu Hause ausgleichen/abfedern (durch Beschäftigungen, Anregungen, Aktivitäten, Umgang der Eltern/der Familie mit dem Kind außerhalb der Kita).

Das eigentliche Problem sind - meiner Ansicht nach - also nicht die "schlechteren Karrierechancen" aufgrund mangelhafter "Frühförderung" in Kitas, sondern:

die Bindungs-/Beziehungsschäden, die vor allem ja sehr kleine/junge Kinder dort erleiden. Die Prägung, die sie dort erfahren - und ja, da passiert halt viel und Wichtiges und Bleibendes in den ersten ca. 3 bis 4 Lebensjahren. Das hat schlicht mit der kindlichen Entwicklung zu tun, die da durchlaufen wird und mit also dem sogenannten "Urvertrauen", das in dieser ersten Zeit angelegt wird oder eben nicht (vor allem auch schon im ersten Lebensjahr, aber nicht nur in diesem).


Das Problem (wir hatten das ja auch im Power Vaginen-thread schon diskutiert), ist also nicht Fremdbetreuung als solche, sondern zu frühe, zu lange und qualitativ schlechte Fremdbetreuung.

Es ist einfach so:

Je älter das Kind, desto weiter in seiner Entwicklung - umso selbständiger, verständiger ist es, um so mehr kann es sich selbst helfen, kann Dinge verstehen/einordnen (z.B. die Sache mit der Zeit: Mama/Papa kommen dich in einer/zwei/fünf ... Stunden abholen - das hilft einem Ein- oder Zweijährigen gar nicht, auch einem Dreijährigen noch nicht - es kann das nicht verstehen, hat keine Vorstellung davon, wie lange das ist und die ganz Kleinen empfinden jeden solchen Abschied/Trennung von Hauptbezugsperson(en) als Abschied/Trennung für immer - auch wenn die Eltern nach Wochen eben doch immer noch und immer wieder täglich die Kinder abholen kommen - vom Verstand her kann ein so kleines Kind das nicht begreifen, es gewöhnt sich mit der Zeit nur daran, aber diese Gewöhnung ist nicht immer positiv ... - je nachdem also, wie das Ganze abläuft - Eingewöhnungszeit/-art in die Krippe bzw. den Kiga etc.).

Vor allem aber kann ein vierjähriges Kind (und älter) sich verbal mitteilen! Und das ist von enormer Bedeutung! Je besser es das kann, desto größere Chancen bestehen, dass seine Bedürfnisse ernstgenommen, verstanden und erfüllt werden!

Es kann SAGEN, warum es gerade traurig, ärgerlich, ängstlich ... ist, sich einsam/alleine fühlt oder ob es sich wo und wann angestoßen/verletzt hat (was grade mal keiner mitbekam von den Erziehern und daher nicht weiß, warum das Kind jetzt weint ...), es kann auch SAGEN, ob es Hunger, Durst hat oder Bauchschmerzen ... usw.


Und davor (bis 3 bzw. 4 Jahre - je nach Kind etwas unterschiedlich) ist es extrem angewiesen auf eine enge Bindung zu konstanten Bezugspersonen, die es kennt, denen es vertraut (!!!), bei denen es sich aufgehoben, sicher, geborgen, geliebt fühlt -und die also seine Bedürfnisse kennen und auch, wann es sich auf welche Weise äußert und verhält (was welches Weinen etc. zu bedeuten hat - vielleicht ist es bspw. grade nur müde oder es ist eine Krankheit im Kommen ... die Hauptbezugspersonen können solches logischerweise viel besser deuten, erkennen als andere "Betreuungspersonen", die noch dazu viel zu wenig Zeit und Möglichkeit haben, eben so adäquat und notwendig auf jedes Kind indivuduell einzugehen).


Natürlich tragen Kinder auch (psychische und/ zuweilen auch physische) Schäden davon, wenn sie durch die Eltern, die Familie schlecht behandelt werden - keine Frage. LEIDER ist das so, leider passiert so etwas.


Aber wenn es eben hier schon keine "Qualitätssicherung" (für Erziehung ...) gibt, keine Handhabe, keinen "Elternführerschein"/Eltern(aus)bildung/Elternschulung (verbindlich für alle Eltern!) - obwohl es das sonst im Leben für eigentlich ALLES gibt, nur eben bei etwas so Wichtigem, Langfristigen, Weitreichenden wie der Erziehung ... von Kindern nicht - dann sollte doch wenigstens aber so etwas (Qualitätssicherung) in der Fremdbetreuung vorhanden sein - ganz selbstverständlich eigentlich.

Denn die Eltern, die gut mit ihren Kindern umgehen, sind dann auch abhängig von dieser Qualität - sie vertrauen ihr Kind Fremden an, sie müssen dafür das Vertrauen haben können, dass das Kind in ihrer (der Eltern) Abwesenheit "in guten Händen" ist.

Aber das ist es oft leider nicht. Insbesondere also besteht diese Gefahr bzw. ist das Realität: bei/in Kinderkrippen - bei also den ganz Kleinen! (Siehe bzw. höre oben eingestellte Radiosendung dazu.)


Es fehlt, ja - wie immer an Geld, aber auch an: Aufklärung, an Wissen! Viele Eltern wissen so vieles nicht - über kindliche Entwicklung, warum das Kind nun so oder so ist, dass das oft Phasen sind, die vorübergehen, wie man damit dann am besten umgeht usw.

Es gilt heute ja wie gesagt als völlig normal (!), dass Kinder beim Eintritt in die Krippe oder den Kiga anfangs "weinen" ... ... ... !

NEIN - das ist NICHT "normal" und es ist ein Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft.

Kinder, die "reif" (!) sind für Fremdbetreuung, werden anfangs wahrscheinlich auch etwas unsicher sein, aber sie werden sich gleichermaßen darauf freuen und neugierig sein - keinesfalls (!!!) werden sie weinen, jammern, schreien, toben, resigniert irgendwo sitzen, lange Zeit an der Eingangstür nach den Eltern Ausschau halten, sich übergeben (ja, so einen Fall gab es ja im Kiga meiner Tochter: ein halbes Jahr lang - aus Verzweiflung übergab sich das Mädchen beim so heftigen Weinen: täglich, sie war "sogar schon" 3).

Und also gerade dann, wenn solche Kinder zu Hause (an die Eltern) schon "unsicher gebunden" sind, gerade dann macht eine solche Fremdbetreuung, eine solche gewaltsame "Eingewöhnung" bzw. solche Trennung unter Druck, Angst, Verlassenheitsgefühlen, Hilflosigkeit, Ohnmacht ... es nur noch schlimmer! Gerade und erst recht dann wäre ganz behutsame Eingewöhnung nötig - so lange, wie es eben sein muss - oder: einfach noch warten und das Kind erst einige Zeit später (Monate) in Fremdbetreuung geben, da es ja ganz offensichtlich damit noch völlig überfordert ist - und das zeigen eigentlich alle Kinder - nur eben auf unterschiedliche Weise.

Genau das aber wird einfach übergangen, verharmlost, ignoriert -> es ist/gilt ja allgemeinhin als "normal", dass sie anfangs weinen, mit Trennungs-/Verlustängsten zu kämpfen haben. Und nochmal: NEIN, genau das ist nicht "normal", schon gar nicht "gut".


Es geht aber nicht um das Wohl der Kinder. Es geht darum, dass Eltern keinen Bock haben, 3 oder 4 Jahre mit den Kindern Zuhause zu bleiben (was viel einfacher wäre, wenn es bessere "soziale Nezte" gäbe, vor allem: mindestens zwei Bezugspersonen). Es geht auch und vor allem darum, dass insbesondere FRAUEN viel schneller/früher wieder in ihren Beruf zurückkehren nicht immer nur wollen, sondern: SOLLEN! Und nicht selten: MÜSSEN (aus finanziellen Gründen).

Und das wie gesagt zu Lasten der Kinder.

Nein, es stimmt nicht, dass Kinder solche frühe Fremdbetreuung für ihre gute/"optimale" Entwicklung brauchen.

Kinder können durchaus auch von den Eltern/der Familie "gefördert" werden - werden sie meistens auch, indem man einfach so mit einem Kind umgeht, wie es für dieses angemessen ist. Und eben dafür halte ich "Elternschulung"/Elternqualifikation für nötig!!!


Kinder können durchaus auch außerhalb von Kinderkrippen/Kindertagesstätten Kontakt zu anderen Kindern haben, regelmäßig - durch bspw. Geschwister, aber auch auf Spielplätzen, bei anderen "Kinderunternehmungen"/Kinderveranstaltungen (in Krabbelgruppen, Spielgruppen etc. - später dann beim Hobby sowieso).

Fremdbetreuung ist ok und wichtig, wenn Eltern berufstätig sein wollen und müssen ... ! Aber nicht auf diese Weise (siehe Radiosendung) und nicht so früh und so lange und das oft auch noch täglich.


Wie gesagt: gerade in dieser sensiblen Zeit/Alter (bis ca. 3 bzw. 4 Jahre vor allem) findet Prägung statt: für das ganze weitere Leben eines Menschen und das auch noch auf unbewusster Ebene - man kann sich nämlich selbst nicht mehr daran erinnern (!), was da alles wie war, als man 1, 2 oder 3 war -aber es ist trotzdem "eingeschrieben" ins Gehirn, in die Psyche - man kann sich also diverse "Probleme", die ihre Ursache in der frühen Kindheit hatten, selbst/alleine gar nicht erklären, man weiß gar nicht "woher das eigentlich kommt" ... !

Ja. Psychoanalyse lässt grüßen. ;)


Schlimm genug, wenn da Eltern schon oft so einiges falsch machen (entweder, weil sie es selbst - oft!! - nicht besser wissen - daher mein Ruf nach Elternschulung/-bildung oder weil sie überfordert sind ...).

Das muss dann aber nicht auch noch in der Fremdbetreuung fortgesetzt werden!  :(


Was die Kohle betrifft:

Ja, ich bin der Meinung, wenn die Politik unbedingt will, dass die Kinder immer früher immer länger in Fremdbetreuung sind, muss sie auch dafür sorgen, dass das ELTERN; ERZIEHERN und vor allem KINDERN möglich ist!

Wo war das doch gleich, wo Kinderbetreuung kostenlos stattfindet - in Schweden?

Staatliche Schulen kosten ja auch - noch - kein Geld (die Lehrer müssen aber trotzdem Gehalt bekommen, gut qualifiziert sein ...), aber ja, da haben wir die genau gleiche Problematik, weshalb ja auch hier Eltern, die es sich finanziell leisten können, auf Privatschulen schicken! 


Und wenn das halt nicht möglich ist, dann in der Konsequenz also auch keine solche (so frühe, lange und minderwertige) Fremdbetreuung für Kinder unter 3 Jahren!

Und in den Kindergärten (also bei den ab Dreijährigen) sieht es übrigens auch nicht besser aus!! Nur dass da der Schaden (an der Psyche der Kinder) nicht ganz so groß ist wie bei den ganz Kleinen.


Wie gesagt: Worauf es ankommt, sind stabile, gute, verlässliche, beständige Bindungen, Beziehungen - das ist, was gewährleistet sein muss - und was es in deutschen Kinderkrippen ja offensichtlich aber NICHT ist (in Kindergärten auch nicht).


Je jünger das Kind, desto wichtiger solche Bindung!!!





Kallisti:

--- Zitat von: Black Russian am 16 März 2012, 10:48:33 ---Also wenn ich einen Kind bekommen werde, werde ich ihn in die Krippe geben: ich möchte nämlich, dass mein Kind ein vernünftiger Deutsch lernt und nicht mein "Kanackisch".

Viele Migrantenkinder, die zu Hause bleiben, kommen mit so einem miserablen Deutsch in dei Schule, dass sie den Rückstand nie nachholen und auf "Rest"schulen landen

--- Ende Zitat ---

Dein Kind kann auch wunderbar im Kindergarten (ab 3 oder 3 1/2 Jahre) noch Deutsch lernen! Da gibt es nämlich mittlerweile spezielle "Förderung" ;) in Kindergärten - für eben solche Kinder, bei denen nicht oder nur wenig Deutsch zu Hause gesprochen wird - hier in Baden-Wü. auf jeden Fall (gibt es das).

Dafür muss dein Kind also nicht mit unter drei Jahren schon in eine Krippe. Und dann könnten auch einfach Deutschkurse angeboten werden: für "Migranten": für die Kinder und die Eltern - kostenlos!

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