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öffentliche Kritik an Kinderkrippen, früher Fremdbetreuung in Kitas
EcceRex:
hach...anstregend so viel Text zu lesen...vor Allem so einen verschachtelten ;)
Du sagst also, mal grob zusammen gefasst, daß die Kinder intensivere Beziehungen zu Betreupersonal aufbauen sollen, einerseits, und durch länger zu Hause bleiben im Elternhaus auch da die intensive Beziehung, andererseits?
Was das zu Hause bleiben angeht kann ich nun nicht mitreden, aber ich kann mir schon vorstellen, wie Du das ja schon angedeutet hast, daß es eine immmense finanzielle Umstellung für die Eltern (oder manchmal eben auch nur für den Alleinerzihenden) ist, mal eben lang genug daheim zu bleiben. So wie ich das im Freundeskreis mitbekommen habe, muss da an Vieles gedacht werden, genau fest gelegt werden, und dann bekommt Otto-Normal-Bürger kaum Geld, um seine Kosten zu decken.
Meine Idealvorstellung zur Kinderbetreuung in den anfänglichen Kinderjahren ist, das erst ein Elternteil sagen wir für 1 Jahr die Betreuung übernimmt und dann das andere Elternteil. Damit kann das Kind seine beiden Elternteile kennen lernen. Im Grunde würde ich sogar fast schon sagen, daß der Mann das erste Jahr übernimmt, denn durch die Schwangerschaft selbst hat die Frau ja bereits einen Vorsprung (häufig ist es leider auch so, das Mann keinen guten Bezug zu seinem Kind hat, weil er eben die Phase der Schwangerschaft nur als Zuschauer mitbekommt). Es ist für mich wichtig, dass beide Elternteile ebenso einen Bezug zu ihrem Kind bekommen, wie es eben andersrum auch sein sollte. Erst wenn die Bindung zu den Eltern stark genug ist, kann das Kind zu den Fremdbetreuern geschickt werden. Betreuer sollten meiner Ansicht nach aber keine zu intensive Bindung zu den Kindern haben bzw. aufbauen, denn das könnte das Verhältnis zu den Eltern stören. Aber auch da ist sicher jedes Kind anders.
Ich bin kein Fachmann, aber ich denke, es ist schwer eine Grenze zu ziehen, ab wann das Kind bereit ist. Aber es ist eben auch unvernünftig irgendeiner Partei Dinge oder Umstände abzuverlangen bzw. aufzuerlegen...quasi nur zum Wohle des Kindes. Ein Kind zu haben in unserer Gesellschaft ist ein Luxus...leider. Den Luxus, den sich der Mittelstand leider kaum leisten kann, obwohl gerade der angesprochen ist.
Ich denke, hier sind die Eltern in unserem Forum gefragt, daß sie sich äußern und ihre Erfahrungen und Gedanken mitteilen ::)
@Kalisti: Hast Du nicht auch Kinder? Wie hast Du das denn bisher erlebt?
schwarze Katze:
--- Zitat von: Kallisti am 16 März 2012, 11:40:10 ---
--- Zitat von: Black Russian am 16 März 2012, 10:48:33 ---Also wenn ich einen Kind bekommen werde, werde ich ihn in die Krippe geben: ich möchte nämlich, dass mein Kind ein vernünftiger Deutsch lernt und nicht mein "Kanackisch".
Viele Migrantenkinder, die zu Hause bleiben, kommen mit so einem miserablen Deutsch in dei Schule, dass sie den Rückstand nie nachholen und auf "Rest"schulen landen
--- Ende Zitat ---
Dein Kind kann auch wunderbar im Kindergarten (ab 3 oder 3 1/2 Jahre) noch Deutsch lernen! Da gibt es nämlich mittlerweile spezielle "Förderung" ;) in Kindergärten - für eben solche Kinder, bei denen nicht oder nur wenig Deutsch zu Hause gesprochen wird - hier in Baden-Wü. auf jeden Fall (gibt es das).
Dafür muss dein Kind also nicht mit unter drei Jahren schon in eine Krippe. Und dann könnten auch einfach Deutschkurse angeboten werden: für "Migranten": für die Kinder und die Eltern - kostenlos!
--- Ende Zitat ---
Das Problem ist, dass diejenige, die so wie in meinem Fall einigemassen passables Deutsch spricht, in einem Sprachkursus unterfordert wird (und den auch nicht finanziert bekommt).
Und trotdem könnte ich meinem Kind kein perfektes Deutsch anbieten, da ich einen starken Akzent sowie ein erhebliches Problem mit Artikeln habe.
Und ein paar Stunden in die Krippe, wo das Kind richtiges deutsch hört, finde ich besser als angeschaltete TV zu Hause.
Eisbär:
Eigentlich erfordert Kallistis Argumentation den Ansichten von Eva Hermann zu folgen, so weit ich das verstanden habe: intensive elterliche Betreuung, die erfordert, daß zumindest ein Elternteil die Karriere opfert.
Oder lieg ich da falsch?
Kallisti:
Black Russian
... warum Fernsehen? Wie schon gesagt: dein Kind könnte wunderbar auch noch im Kindergarten Deutsch lernen, es gibt genau dafür Sprachförderung in städtischen und konfessionsgebundenen Kindergärten - nicht nur für Kinder "mit Migrationshintergrund", sondern auch für deutsche Kinder, die der deutschen Sprache noch nicht so gut mächtig sind.
Das kann dein Kind sehr gut auch mit 3 oder 4 Jahren noch lernen (bis zur Einschulung reicht das - meistens bei Kindern schon ein Jahr tägliches Erleben/"Umgang"/Anwenden von Sprache - und sie können es sehr gut, wenn Zuhause dann auch Deutsch gesprochen wird (durch z.B. einen Elternteil oder ein älteres Geschwister, geht es noch besser).
Es besteht keinerlei Veranlassung nur wegen der Sprache das Kind mit unter Drei in eine Krippe zu geben.
Sprache ist ohne Zeifel wichtig - ein stabiles Selbstwertgefühl (!), eine stabile Basis (durch gute beständige, verlässliche Beziehungen - mit allem, das diese mit sich bringen!) aber noch weit wichtiger und dies: für das gesamte (spätere) Leben. Denn an dieser (Bau-) Stelle lässt sich dann (später) nur bedeutend schwerer "reparieren" als an der Sprache (Verbesserungen vornehmen/nachholen, falls überhaupt erforderlich).
Eisbär
was hat das mit Eva Herrmann zu tun?
EcceRex
... nun ja - man kann zwar zuvor planen ..., aber letztlich zeigt sich erst, wenn die Kinder da sind, was wie möglich ist. Gerade im ersten Jahr ist doch zumeist die Mutter die erste Hauptbezugsperson, der Vater kommt so wirklich erst ab/im zweiten Lebensjahr "ins Spiel" (und wird dann auch wichtig!!). Das hängt schon damit zusammen, dass der menschliche Säugling ja völlig unreif zur Welt kommt (im Vergleich mit anderen Säugetieren): er ist daher auch ein "Tragling" - eigentlich müsste er noch im Bauch der Mutter bleiben, bis er etwa ein Jahr alt ist - so gesehen sind Menschen alle Frühgeburten. ;) Der menschliche Säugling ist daher extrem angewiesen auf die Fürsorge seiner Eltern, vor allem der Mutter - wenn man bspw. ans Stillen denkt, das heute auf jeden Fall bis zum sechsten Monat empfohlen wird, aber gut und gerne eigentlich auch noch bis zum Ende des ersten Lebensjahres empfehlenswert ist (Zufüttern reicht ab dem 9. Monat oder sogar erst ab dem 12. - eigenes Thema, nein, man muss sein Kind NICHT bis zur Einschulung stillen - aber ich rechne schon mit derartigen unqualifizierten Bemerkungen von Leuten, die sich mit der Sache noch nie befasst haben).
Zur Mutter besteht auf Grund natürlicher Gegebenheiten einfach ein sehr enges Verhältnis - beidseitig (ja, Oxytocin und so ... ;) ). Dem sollte man einfach nachkommen können/dürfen. Wenn man schon dazu nicht bereit ist, sollte man: einfach keine Kinder bekommen.
Ab dem zweiten Lebensjahr wird dann die Beziehung zum Vater und anderen Bezugspersonen wichtig ... (eigenes Thema!)
Wie schon gesagt:
Es ist ausgesprochen "nützlich" und wichtig, wenn ein Kind mindestens zwei Hauptbezugspersonen hat - idealerweise beiderlei Geschlechts. Wenn es dann noch andere vertraute Menschen gibt, die das Kind mag und umgekehrt, wo es sich gut aufgehoben fühlt, können auch diese zur Betreuung "herangezogen werden" (so sie dies selbst wollen und können).
Sowas wie "Familie" eben - Freunde sind da auch eine feine Sache, wenn sie also den Kindern auch sehr nahestehen ..., aber Freunde sind zumeist doch mit ihrem eigenen Leben (und Alltag - Job, evtl. eigene Kinder, Freizeit, Partner ...) so beschäftigt, dass sie als regelmäßige und verlässliche sowie langfristige Betreuungspersonen nicht unbedingt in Frage kommen (können und/oder wollen).
Daher müssen eben doch Mutter und Vater ran, idealerweise noch in der Nähe lebende Großeltern (falls diese Zeit und Lust haben, sich mit den Enkeln auf diese Weise zu beschäftigen, für deren Betreuung "verfügbar" zu sein ... - auch das ist aber längst ja nicht selbstverständlich. Viele "Senioren" sind heute noch sehr aktiv - in Beurf und/oder Freizeit ...) oder auch ältere Geschwister oder andere Familienangehörige (falls es diesen möglich ist).
So ist das: Wenn man Kinder will, dann muss man als Paar, als Eltern eben einfach selber ran - beide!
Da sich heute aber auch Vieles in der Erziehung, im Umgang mit Kindern verändert hat (nicht alles positiv, aber das Meiste wohl doch schon), sind Eltern eben oft sehr im Stress/unter Druck.
Hier sollte es andere Möglichkeiten für Eltern/Familien geben. Man könnte also nicht nur von einer "work-life-balance", sondern auch einer "work-family-life-balance" sprechen (wenn man es denn so forumlieren mag).
Ganz einfach: Wenn man gesunde, fröhliche Kinder will, die gut aufwachsen können und später "der Gesellschaft zur Verfügung stehen", muss man in deren Kindheit und Jugend investieren - nicht nur Geld und Bildung, sondern auch Zeit und Beziehungen/Beziehungsmöglichkeiten/-erfahrungen: gute!
Und dafür brauchen Eltern: ZEIT. Die Möglichkeit, die Ruhe - ohne schlechtes Gewissen und ohne massive (untragbare) finanzielle Einbußen!
Eben: Kinder erziehen IST Arbeit. Arbeit, die auch Freude machen kann - wenn die Umstände stimmen und die eigene Einstellung zum Kinderhaben ... !
So wird diese Arbeit (das Kind großzuziehen) aber an Fremde delegiert, damit Eltern wiederum einer (anderen) Erwerbstätigkeit nachgehen können bzw. sollen.
Nach meinem Dafürhalten sollten Eltern aber idealerweise beide in den ersten gut 3 Lebensjahren die Erziehungsarbeit und einfach das Leben (nicht nur die Arbeit!) an/mit ihren Kindern selbst leisten: können, dürfen.
Danach (ab etwa 3 bis 4 Jahre: in etwa - von Kind zu Kind variiert das) gehen Kinder von sich aus "nach außen", verlassen die sichere Basis (die sie aber immer im Hintergrund erreichbar wissen müssen), gehen neugierig in die Welt ... - Das ist die Zeit, in der dann Fremdbetreuung möglich ist und die Eltern mehr Freiräume wiederum auch für andere Arbeit (Erwerbstätigkeit) haben können.
Je älter das Kind, desto mehr geht es "nach außen" - das soll es (auch: können, dürfen), das muss es (für seine Entwicklung). Aber es braucht immer (noch) die stabilen, verlässlichen, "verfügbaren" Bindungen/Beziehungen (zu zuerst eben: den Eltern: BEIDEN!). Nur nicht mehr in dem Maße (zeitlich) wie als Säugling und Kleinkind - und auch auf andere Art(en).
Mein Wunsch ist also, dass man sich tatsächlich, praktisch, real mehr am viel zitierten und tatsächlichen (!) Kindeswohl und an kindlicher Entwicklung, kindlichen Bedürfnissen orientiert, statt dies nur verbal und formal zu tun (-> schönreden davon, aber die Bedingungen nicht schaffen!), dass man also wirklich Familien unterstützt, entlastet!
Mit "Verwöhnen/Verziehen" hat das nicht im Geringsten zu tun - ganz im Gegenteil.
Solange aber Kinder zu haben in unserer Gesellschaft, in unserem Land als Luxus betrachtet wird, den sich vor allem eigentlich nur Besserverdienende erlauben können (ganz egal, ob sie als Eltern auch "taugen" oder nicht!, denn danach fragt ja keiner - grundsätzlich ja leider nicht) und als Privatvergnügen, so lange wird es auch keine wirklichen, echten familienfreundlichen Lebensbedingungen geben.
Weil du mich fragtest, EcceRex - wie ich es mit meinen beiden Kindern erlebte: defizitär. Einfach: weil es extrem anstrengend ist, den Kindern wirklich gerecht zu werden - man bleibt dabei selbst zwangsläufig auf der Strecke! ALLE Alleinerziehenden, wenn sie ehrlich sind und wenn sie wirklich alleine sind mit den Kindern.
Wenn die Kinder aber trotz elterlichen Getrenntlebens zu beiden Eltern einen guten, regelmäßigen Kontakt haben und es dann ggf. auch noch andere Familienmitglieder gibt (Großeltern sind auch was Feines - ganz eigene Beziehungsart und Erfahrungsmöglichkeiten mit diesen für die Kinder!), die sich "mit kümmern" (auch Geschwister sind da oft positiv, aber hängt da viel von den Eltern ab und auch vom Altersabstand - ideal sind nicht zwei, sondern vier Jahre - ja, hat alles Gründe, führt hier zu weit), dann ist das Alleinerziehen durchaus möglich und die Kinder sind nicht "benachteiligt" - und die Alleinerziehenden nicht ganz so erschöpft ... ... ...
Ich habe meinen Sohn mit 3 in Fremdbetreuung (Kiga) gegeben - ohne Eingewöhnung (ging damals nicht aus beruflichen Gründen und war damals auch noch nicht so üblich wie heute!), jeden Tag von morgens ca. 8.00h bis nachmittags 16h. Und es war eine Katastrophe (anfangs).
Mein Sohn war dann auch später viel/lange im Hort (weil ich: jobbend/berufstätig/in Ausbildung - also: alles zusammen nicht selten). Als er 10 war (und in die fünfte Klasse eines Gymnasiums damals kam) wollte er es von sich aus nicht mehr.
Meine Tochter wollte ich auch mit 3 in den Kiga "geben" - es war aber die gleiche "Katastrophe" wie bei meinem Sohn, nur dass ich mir diesmal erlauben konnte (naja ... - aus gesundheitlichen Gründen, also eigentlich nicht wirklich "freiwillig" bzw. "erlaubt" ...), ihr mehr Zeit zu lassen. Wir haben dann noch mehrere Anläufe genommen - es ging nicht. Es wäre nur gewaltsam mit vielen Tränen, großer Verzweiflung meiner Tochter gegangen (ja, wir haben das so ja dann versucht ...). Und diesmal wollte ich das SO auf keinen Fall nochmal. Und ich sehe die gleiche Problematik bei fast allen Neuen im Kiga ... Und auch bei Tagesmüttern (wovon ich zwei kenne bzw. kannte). Auch zwei Erzieherinnen, die ich kannte bzw. kenne (zu einer keinen Kontakt mehr, zu der anderen sporadischen), bestätigen meine Beobachtungen. :'(
Wir warteten dann, dann mussten wir auch nochmal umziehen ... und neuen Kiga(platz!) finden ... Und so kam sie erst mit 4 1/2 in den Kiga und es ging vom ersten Tag an (!) ohne Probleme - ohne Tränen, ohne Angst, ohne Trennungsschmerz. Sie freute sich auf den Kiga, war neugierig darauf und erzählte mit Stolz, sie sei jetzt ein Kindergartenkind ... :)
Dass es bei meinem Sohn so schei... gelaufen ist, damals, tut mir heute noch leid, wenn ich daran denke (was ich allerdings nicht allzu oft tue - es ist lange her und lässt sich nicht mehr ändern).
Eisbär:
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