Schwarzes Hamburg > Schall & Rauch -Archiv-
mein wort des tages...
Kenaz:
Tja, die Agenten der Identitätszersetzung gewinnen eben immer mehr an Einfluss, ich beklage diese Entwicklung ja schon lange. Bei Spiegel Online hab' ich bislang den schönsten Kommentar dazu gelesen ...
nightnurse:
Jaja, 1984 und der Untergang des Abendlandes, weil man Kindern nicht beibringen möchte, daß "Neger" ein Wort zur Bezeichnung afrikanischstämmiger Menschen ist und weil man sich (womöglich zu recht) fragt, ob ein Kind 2013 noch sämtliche Bedeutungen des Wortes "wichsen" kennt und versteht ::).
Hier mal eine andere Herangehensweise (mit Fortsetzung) und da noch jemand, der sich nicht aufregt (aber die Kommentare... ::)).
edit: Link fixed
RaoulDuke:
--- Zitat von: nightnurse am 19 Januar 2013, 10:33:54 ---Jaja, 1984 und der Untergang des Abendlandes, weil man Kindern nicht beibringen möchte, daß "Neger" ein Wort zur Bezeichnung afrikanischstämmiger Menschen ist und weil man sich (womöglich zu recht) fragt, ob ein Kind 2013 noch sämtliche Bedeutungen des Wortes "wichsen" kennt und versteht ::).
--- Ende Zitat ---
Man kann ja "neue, zeitgeistkonforme und sprachlich und inhaltlich überarbeitete Ausgaben" rausbringen, aber an Originalen rumpfuschen?
Ich lesen mit meinem Nachwuchs aus inhaltlichen Gründen auch nicht den "Struwelpeter". Wenn den aber einer umschreiben will, stehen mir die Haare zu Berge.
Vordergründig geht es nur um "Neger", "durchgewichste Kinder" und Sartres Kippe... Aber wir können doch nicht die Originaltexte ex post umschreiben, weil es besser zum Zeitgeist passt? Werden dann in 50 Jahren Kinderbücher umgeschrieben, damit keine Autos mehr darin vorkommen?
Also für die Abwendung des Untergangs des Abendslandes kann man doch auch mal den leicht reizbaren, querulantenhaften Prinzipienreiter raushängen lassen. :)
nightnurse:
Ich bin da ja durchaus ambivalent und kann alles, was Du sagst, nachvollziehen. Aber die Begründungen der Verlage kann ich auch verstehen (solange es um Bücher für Kinder geht. Sowas wie die Sartre-Kippe ist idiotisch).
Am Ende ist es vielleicht so besser, wie es der Sprachlog in der Fortsetzung (habe den Link repariert) vorschlägt: Wenn man feststellt, daß Kinderbücher nicht mehr in "den Zeitgeist" passen, sollte man vielleicht aufhören, sie zu verlegen.
Was mir im Falle von Pippi Langstrumpf auch sehr gegen den Strich ginge, so nach dem Motto "hat mir auch nicht geschadet, sind doch tolle Geschichten" - aber man kann das, s. Sprachlog, offensichtlich auch anders betrachten (mir hat auch das Bilderbuch "Zehn Kleine Negerlein" nicht bemerkenswert geschadet - und ich sehe durchaus ein, daß das nicht mehr aufgelegt wird).
Zumindest aber kann man es so machen wie Du und Bücher, die man als Elternteil für nicht förderlich hält, den Kindern nicht in die Hand geben (hätten meine Eltern auf sowas geachtet, ich wäre ohne Perlen der Unterhaltungsliteratur wie "Kreuz & Quer durch Indien", sämtliche Bände "Gisel & Ursel", den Struwwelpeter und die "Wunder der Urwelt" von 1910 aufgewachsen und womöglich wäre dann ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft aus mir geworden ;D).
(Was übrigens das "Rumpfuschen an Originalen" angeht, so sind die Bücher von Frau Lindgren auf Deutsch eh nicht original - und Otfried Preußler lebt noch, am Ende hat der Verlag ihn gefragt und er war einverstanden, weiss man nicht.)
CubistVowel:
--- Zitat von: nightnurse am 19 Januar 2013, 12:02:04 ---Am Ende ist es vielleicht so besser, wie es der Sprachlog in der Fortsetzung (habe den Link repariert) vorschlägt: Wenn man feststellt, daß Kinderbücher nicht mehr in "den Zeitgeist" passen, sollte man vielleicht aufhören, sie zu verlegen.
--- Ende Zitat ---
Keine schlechte Idee, aber wo will man da aufhören? Meiner Ansicht nach müsste demnach ja mindestens die Hälfte aller Kinderbuchklassiker wie z. B. "Der Trotzkopf" (und so manches Schulbuch) verschwinden, weil das darin vermittelte Frauenbild absolut nicht mehr in unsere Zeit passt.^^ Und die alten Fragen: Wer bestimmt, was der Zeitgeist ist, und somit, welche Bücher deswegen vom Markt verschwinden? Wer bestimmt, was korrekt/passend ist, was geschrieben und gesagt werden darf?
Und wenn man schon mal dabei ist, wieso nur Kinderbücher "anpassen"? Versteht mich bitte nicht falsch, ich möchte keine diskriminierenden Wörter/Verhaltensweisen konservieren oder beschönigen, und ich habe auch nichts gegen Gesamt-Neuübersetzungen (ich muss sie ja nicht mögen, wie bei Tolkien), aber dieses "politisch korrekte" Herausgreifen einiger missliebiger Begriffe wie "Neger" oder "wichsen" oder das Retouchieren alter Bilder* erinnert mich ein bisschen zu sehr an das Orwell'sche Ministerium für Wahrheit: Neusprech, Gedankenpolizei, Bevormundung, kurz: Zensur. :(
Nun ja, ich will mich an dem Thema gar nicht so arg festbeißen. An sich ist es für mich gar nicht so bedeutsam, aber es wirkt auf mich wie ein weiterer kleiner Schritt in Richtung einer Gesellschaft, in der Meinungsmache und Manipulation von oben als normal empfunden werden...
*Lucky Luke darf auch nicht mehr rauchen, oder?^^
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