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9/11 2004-Tränen am Ground Zero
Jinx:
Nachtrag: die meisten meiner Verwandten sind Amerikaner (leider, wie peinlich) (oder Australier, aber letztere spielen hier keine Rolle): wie haben mich deren tränenreiche Anrufe nach dem WTC angekotzt (wohlbemerkt: keiner von denen kannte eines der Opfer persönlich), als davon gesprochen wurde, dass man jetzt zusammenrücken müsse im glorreichen Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Als ich antwortete: ja, macht mal, aber ich geh' jetzt mal gegen den Angriff auf den Irak demonstrieren, da mir die Argumentation doch etwas löcherig erscheint, hieß es nur "George Bush - we agree with him". Dann haben die den Kontakt abgebrochen, da ich eine gefährliche Anarchistin bin, die in ebenso gefährlicher Nähe zu den Terroristen stehen muss, da sie ja für selbige demonstrieren geht. Dass ich als Pazifistin prinzipiell nicht für Terroristen demonstriere, sondern für das irakische Volk, das nicht aus Terroristen, sondern aus Leuten besteht, die ihre Ruhe wollen, macht ja nichts. Naja, dass der Irak eigenartig befreit von Bin Laden, Connections zum 9.11. und Giftgaswaffen ist, machte im Nachhinein auch nichts.
Es ist mir bewußt, dass längst nicht alle Amerikaner hinter Bushs Kriegstreiberei stehen (es wurden ja auch schon Syrien, Nordkorea und der Iran als mögliche Ziele ausgedeutet, denn wenn man schon mal dabei ist, nicht wahr?) DAS haben die Opfer des WTC-Anschlags nicht verdient.
Mein Bedauern gilt auch den Amerikanern, die nicht hinter Bush und seinen Machenschaften stehen.
Die USA säen bloß, was sie geerntet haben: als in Afghanistan das kommunistische Regime bekämpft wurde, gab es diverse Gruppen, von denen keine die Vormachtstellung erringen konnte. Auf einmal tauchten die Taliban auf und überrannten alles. Ich habe damals die Ereignisse durchaus verfolgt, aber von denen hatte ich noch nie gehört. Später kam ich dann auf den Trichter, dass die nicht vom Mars angelandet waren, sondern dass es sich um irgendwelche Viehtreiber und Bergbauern aus den ganz hinteren Bergregionen handelte, die in Pakistan mit den Geldern der USA ausgebildet wurden. Jo, die verwandelten ein entwickeltes, zivilisiertes Land in den Hort der Barbarei, mit Unterstützung der USA. Sie etablierten ihre kranke Auffassung von Islam und diskreditierten damit die überwiegend friedlichen Anhänger dieser Religion letztendlich weltweit- zusammen mit den Leuten, die heute Terroristen sind und eine ebenso kranke Auffassung dieser Religion verbreiten. Danke, Amerika. Bin Laden ist auch so was: der war nämlich der Liebling der USA, hatte die Unterstützung des CIA, bis der aus dem Ruder lief. Jetzt ist er der Böse und seine frühere Verflechtung mit eben diesem Land fällt unter den Teppich, ist ja auch unangenehm.
Fazit: die Opfer des WTC können nichts für diese Sachen. Sie können auch nichts dafür, dass sie jetzt von einem verbrecherischen Regime instrumentalisiert werden, das ganze Völker irgendwelchen Irren, die politisch kommod erscheinen, ausliefert, weil die vorherige Regierung nicht paßt. Oder das - falls das nicht ausreicht - diese Völker gleich noch mit Krieg überzieht, die Länder verwüstet und der Rest der WEltgemeinschaft darf das zahlen, da das ja so teuer ist für die USA, das müssen wir verstehen, nicht wahr? Und manche Leute fallen darauf auch noch rein. Unglaublich.
Ferner schließe ich mich KB's Trauerbekundung an: ich sehe einer Zukunft mit Iriserkennung, automatischen Scans etc. mit Grauen entgegen (so was macht mich paranoid), um auch noch den hinterletzten angeblichen Terroristen zu fangen, der versuchen könnte, als Fliege verkleidet in einen Zug Richtung irgendwo zu steigen. Ich war mehrmals in Israel, DAS ist Militär- und Polizeipräsenz da! Du kommst an überhaupt keine Sehenswürdigkeit mehr, ohne Deine Taschen zu öffnen, von Detektoren abgeprüft zu werden, inklusive Leibesvisitation. Das Volk ist darauf konditioniert, bei der kleinsten Bedrohung Laut zu geben (herrenlose Taschen, verdächtig parkende Autos etc.), sie wissen wieso. Und was nützt es? Nichts. Reihenweise werden Cafés, Autos, Busse oder sonstwas in die Luft gesprengt.
Ich wehre mich in aller Form gegen den neuesten Exportschlager der USA: die Tränendrüsigkeit, erhältlich in jedem TV-Sender, fast jeder Zeitung und in jedem guten oder nicht so guten Buchhandel. *KOTZ*
biserka:
--- Zitat von: "kb" ---
Biserka, mal ehrlich: Hast du um die Kinder in Russland getrauert? Hast du um den Schüler getrauert, der vor ein paar Tagen hier in .de totgeprügelt wurde? Um die Opfer aus Erfurt und Columbine? Um die Opfer aus den weggesprengten Zügen in Madrid? Um die Menschen in den zahlreichen Bussen in den letzten 1.5 Jahren, die sich von Brücken oder vor Züge geworfen haben? Um die Schülerin, die sich vor nem halben Jahr vom Michel gestürzt hat? Um die unzähligen Israeli und Palästinenser, die seit Jahren konsequent abgeschlachtet werden? Um Jürgen Möllemann? Um Johnny Cash? Um die Hochzeitsgesellschaft, die von Bush in Afghanistan aus Versehen weggebombt wurde?
Alleine, wenn du zu einem der Punkte schon nein sagen kannst, ist es Heuchelei. Und von dem oben angesprochenen kam sogar alles noch im Fernsehen.
Trauerst Du auch, wenn du an einem Verkehrsunfall vorbeifährst? Wenn ein Haus weiter überraschend eine Wohnung frei wird, in der ein alter Mann gewohnt hat? Trauerst Du, wenn du am Friedhof Ohlsdorf vorbeifährst? Trauerst du auch, wenn du NICHT am Friedhof Ohlsdorf vorbeifährst? Wie oft trauerst du überhaupt um all die Verwandten, die du mal hattest oder nie kennengelernt hast?
--- Ende Zitat ---
Ja, ich denke ununterbrochen an alle Opfer, von denen ich tagtäglich höre und trauer dann. Sei es durch Radio, Zeitung oder Internet, Fernseher besitze ich nicht.
Es mag meinen Freunden auf den Geist gehen, jedoch schein ich die einzige zu sein die ständig einbringt "uns geht es hier viel zu gut und wer denkt an die Opfer in......". Ja, so bin ich nun mal.
--- Zitat von: "kb" ---
Aber was tagelang im Fernsehen läuft, muß ja wichtig sein. Und wahr. Ehrlich gesagt: Mich kotzt diese beschissene Idealisierung an... "aber sie sind doch für unsere Freiheit gestorben". Sicher das. Nein, diese Leute sind gestorben, weil irgendein größenwahnsinniger Terrorist zwei Flugzeuge in das Gebäude gejagt hat, in dem sich diese Leute unglücklicherweise befanden. Ich wette, KEINER von denen hätte auch nur im Traum daran gedacht, sich freiwillig für das instrumentalisieren zu lassen, was aus ihrem Tod gemacht wird.
--- Ende Zitat ---
Für mich schon, kann ja für dich oder andere Menschen unwichtig sein und bleiben. Ich trauer weiter.
Leute, ihr wiederholt euch, wie die US-Amerikanische Politik das Geschehen ausbeutet, zum 100000 mal, spielt hier keine Rolle in meinem Thread.Das es scheiße ist weiß ich selbst !!
Alles klar !
--- Zitat von: "kb" ---
(...)Und bevor hier wieder das Geheule losgeht: Natürlich haben 3000 Opfer eines Terroranschlags eine größere welthistorische Signifikanz als 3000 Chinesen, die von einem aus einem Flugzeug fallenden Sack Reis erschlagen oder weggeschrapnellt werden. Nur seh ich gar nicht ein, warum das diese Leute selbst wichtiger machen sollte als irgendwen sonst.
--- Ende Zitat ---
Ich sehe es auch nicht ein. Für mich sind die Chinesen genau so Menschen, wie die US-Amerikaner. Der Thread heißt hier aber noch immer "Tränen am Groundzero" und nicht "Tränen um die Opfer in China".
Nur weil ich nicht zu den anderen Opfern einen Thread geschrieben habe, könnt ihr nicht davon ausgehen, dass es mich net interessiert.
Das ist mir zu eingeschränkt.
Akzeptier, dass ich gerade zu diesem Thema einen Thread eröffnet habe. Wenns dir net gefällt, dann öffne doch einen Thread zu den Opfern in Rußland, China, Aufganistan, Erfurt, Columbine usw.
Wer mich kennengelernt hat, weiß, dass ich auch an andere Opfer gedenke.
Doch muss ich das immer in einen Thread veröffentlichen...?! Nein !
--- Zitat von: "kb" ---
Ich trauere darum, dass Bin Ladens Plan, die Freiheit der westlichen Welt zu zerstören, so gut aufgegangen ist.
--- Ende Zitat ---
Beweise mir einwandfrei, dass dies nicht auch nur eine US-Amerikanische Propaganda Nummer ist. Kennst du Bin Laden persönlich und hast du es aus seinem eigenen Munde gehört, nein. Du stützt dich genau wie der rest der Welt auf MEDIEN !!
Auf Medien, wie du erwähntest, die nicht wahr sein müssen.....
TheFlyingDragon:
Und auch dieser letzte Beitrag von kb strotzt schon wieder von Trivialem Gedankengut...
Wo sind die weit denken Menschen, die nicht nur das Jetzt sehen sondern auch das Später ...
Mit letzterem wird sich viel zu wenig befasst.
Aber macht ruhig weiter mit eurer selbstzerstörerischen Art.
Es werden zum Beispiel schon wieder Todesfälle aufgezählt, um die man nicht trauern kann, da sie nicht represäntativ sind für dieses Thema und vollkommen belanglos.
Verkehrsunfall,Alterstod,Krankjeitstod,Friedhof...
Was haben diese Todesfälle oder Orte mit dem Thema zu tun?
Richtig es handelt sich immer um Tote. Aber beim WTC sind mehr als 2000 Menschen eines Verbrechens zum Opfer gefallen, und das an einem Tag und nicht auf natürliche Weise. Und jetzt kommt bitte nicht das Thema Krieg
Des weiteren war das der demonstrative Beweis, dass Terroristen es überall und zu jeder Zeit können wenn ihr "Glauben" es ihnen sagt.
Das ist das "GLOBALE Problem" nicht trivial...
Aber das wird hier in die Köpfe von etlichen Idealmoralisten nicht reingehen und es wird weiterhin auf diesem Thema um wen man zu trauern hat und wen nicht herumgehackt...
Viel Spass dabei...
...dabei, einer Person die ihrer Trauer bloss Ausdruck verleihen wollte, alles zu Nichte zu machen.
...dabei, der Menschheit vorschreiben zu wollen um wen getrauert werden soll.
...dabei, ein Vol als schlecht darzustellen, und es für schuldig zu befinden, weil einige Herren ganz weit oben die Entscheidungen treffen...
...
...
...etc etc etc
AngryGreetinx
:evil: TheFly :evil:
Jinx:
@Flying Dragon:
--- Zitat ---Viel Spass dabei...
...dabei, einer Person die ihrer Trauer bloss Ausdruck verleihen wollte, alles zu Nichte zu machen.
...dabei, der Menschheit vorschreiben zu wollen um wen getrauert werden soll.
...dabei, ein Vol als schlecht darzustellen, und es für schuldig zu befinden, weil einige Herren ganz weit oben die Entscheidungen treffen...
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--- Ende Zitat ---
Es ist klar, dass bei jedem Menschen die Prioriäten anders sind. Der eine wird durch das WTC mehr berührt, der andere durch die Aids-Katastrophe in Afrika, der dritte durch Kriege. Das ist jedem unbenommen. Aber muss es immer mit so einem tränenreichen Sendungsbewußtsein einhergehen, wie schon im SSV-Thread? Muss wirklich jeder diesen Seelenstriptease unkommentiert hinnehmen, wobei auf Kritik nie eingegangen wird? Oder sich ans Schieinbein treten lassen, wenn er anderer Meinung ist? Dann als der oder die Böse dastehen, wenn die Autorin sich in eine Opferrolle hineinstilisiert? Wie im SSV, so auch hier? Nee, danke.
Dies ist ein FORUM! Wer Beiträge schreibt, egal zu welchem Thema, muss mit den Antworten leben. Wenn sie off-Topic oder unangemessen erscheinen, kann man sich dagegen zur Wehr setzen, indem man seine Meinung kundtut. Aber muss diese Tränendrüsigkeit wirklich sein, wenn es nicht so läuft, wie man es gerne gehabt hätte? Biserka ist kein Opfer von Bombe, KB und was weiß ich wem noch. Sie ist vielleicht ein Opfer ihrer eigenen Unfähigkeit, oder des Unwillens (kann ich nicht beurteilen, ich kenne die Dame nicht), auf die Beiträge Anderer einzugehen. Nicht mehr und nicht weniger.
phaylon:
Hui, ich will auch! ;)
Nun, im Ernst. Ich stimme Bombe auf jeden Fall mal zu.
Weiters muss ich sagen, dass die Opfer mehr oder weniger arme Schweine sind. Gut. Also wurden Schweigeminuten abgehalten. Das bedeutet also, dass, wenn man die Summe der Einwohner Amerikas zusammenrechnet, und jeder eine Minute gedacht hätte, dass dabei 285.318.000 Minuten (resp. fast 200.000 Tage) sinnlos vergeudet wurden, anstatt sich wichtigeren Zielen zu widmen.
Meiner Meinung nach hat es auch nichts mit Anti-Amerikanismus zu tun, wenn man einfach sieht, dass sich »die da drüben« überall in der Welt eingemischt haben, ständig versucht haben, so weit wie möglich weg von daheim Unruhe zu stiften und geglaubt haben, sie würden nie eine Rechnung dafür kassieren[1].
Sie haben gewählt, sie haben gehandelt, sie müssen die Konsequenzen dafür tragen. Aber was tun sie? Sie machen weiter. Laut meinen letzten Informationen ist Bush in Führung und das Volk glaubt »dass er sie verteidigen kann«. Ich erinnere mich an eine Umfrage, nach der ein grosser Grossteil[2] der Amerikaner glaubt, in seinem Land sicher zu sein.
Was bringt es den Toten? Nichts. Der einzige Zweck, den ich momentan sehe, ist eine mediale Ausnutzung der Tragödie. Auf dem Level der Medien, um damit Geld zu machen. Und auf dem Level der Politik, weil wenn Argumente fehlen, kann man immernoch auf Emotionen zurückgreifen. Die breite Masse springt ja dankbar an[3].
Mir /persönlich/ ist es eigentlich schon lange egal. Anfangs hab ich mich noch damit beschäftigt, war es doch eine Entwicklung, die man in diesem Ausmasse nicht zuvor beobachten konnte. Aber inzwischen? Die Amerikaner bomben munter weiter, als wollten sie den Krieg gegen das Feuer mit Molotow-Cocktails gewinnen. Die Amerikaner verurteilen alle, die ihnen nicht beistehen[4]. Man könnte meinen, jegliche politische Aktivität ist nur Deckmantelschaft, wenn man sich gewisse Szenarien betrachtet.
Beispielweise bestimmte Afghanistan(afaik)-Angriffe. USA erbitte österreichische Überflugerlaubnis. Österreich sagt »Nope. Wir mischen uns nicht ein.« Was tun die Vereinigten Staaten? Trotzdem drüberfliegen, tun können wir ja eh nichts.
Ich glaube weder, dass die USA die Fähigkeit oder die Motivation haben andere Staaten zu beschützen, noch dass wir dazu fähig sind, uns gegen eine Gewalt in solchem Ausmasse[5] zu wehren.
Daher heissts für mich(!): Es ist nicht mein Problem. Trauern hilft nichts. Trauer kann ich sowieso nicht mit mir unbekannten Leuten verbinden. Und generell hab ich selbst genug zu tun, dass ich meine Zeit sinnvoller einsetzen kann. Abgesehen davon finde ich, dass diese gesamten »Gedenkminuten« und sonstigen Mitgefühlsbekundungen schon sowas von ausgelutscht sind, grossteils mit Heuchelei, Mitläuferschaft, simuliertem Gutmenschentum oder sonstwas, dass ich dieses dauernde Rumgeheule langsam anfange nervig zu finden. Daher halte ich mich davon auch fern.
Fehlt ja nur noch, dass die nen Feiertag bekommen, weil der Versuch Terroristen mit Waffen, Finanzmitteln und Ausbildung zu versorgen um andere Terroristen fertigzumachen, kläglich gescheitert ist. Ich meine, was haben die geglaubt? Dass Osama am Ende die Waffen zurückgibt, »Danke« sagt und ein friedlicher Demokrat wird?
Das Volk kann zwar nichts dafür, aber sie wählen und mögen ihre Präsidenten ja, insofern...
Just my 2c,
p
Nachtrag: Um Johnny Cash hab ich getrauert. Sehr sogar.
[1] Nunja, wahrscheinlich waren sie sich eher sicher, nicht mehr in der Präsidentschaftszeit eine Rechnung zu bekommen.
[2] Aus Quellenmangel keine absoluten Zahlen, afair warens 60-70%.
[3] Fürchtet euch nicht! Ich hab nicht »Sklave« gesagt ;)
[4] Es wundert mich beispielsweise, warum manche Staaten von Bush noch nicht öffentlich als »unamerikanisch« geouted wurden.
[5] Da schliesse ich die Amerikaner mit ein.
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