Schwarzes Hamburg > Gedankenaustausch -Archiv-
Die ultimative Lobhudelei auf Hamburg
BetterOf2Evils:
--- Zitat von: "colourize" --- ...nirgends sitzen Menschen einfach so auf der Straße mit einem Bier vom Kiosk. Wie auch, es gibt ja kaum einen Kiosk - und die paar die es gibt machen um 19 Uhr zu, was der totale Schwachsinn für einen Kiosk ist. Wer hat sich bitte diese idiotischen Öffnungszeiten ausgedacht?
--- Ende Zitat ---
Was wahrscheinlich daran liegt, dass sich der Gewerbetreibende ordnungswidrig verhalten würde, wenn er eben dieses tut (Ladenschlussgesetz).
In Hamburg gibt es übrigens ziemlich viele Ausnahmen zu diesem (Ausschank-) Thema (Rathausmarkt, Landungsbrücken, Planten&Blomen, Elbwanderweg, bestimmte U-/S-Bahnhöfe etc...), die per Verordnung geregelt sind (siehe z.B. Verordnung zur Durchführung des LadschlG).
*klugscheiß*
Jinx:
--- Zitat ---Auf Neuwerk steht das älteste Bauwerk Hamburgs (1312).
*malwiederklugscheiss*
Häh? Lächerlich..
Alle möglichen anderen Bauwerke sind da älter... gotische Kirchen (z.B. Kölner Dom ), romanische Kirchen (gibts zuhauf - etwa in Köln), aber auch Profanbauten wie Häuser in Städten des frühen Mittelalters (z.B. Zehringerstädte wie Lübeck); noch viel älter sind die Aquädukte der Römer, die Porta Nigra in Trier, der Limes, die Hügelgräber der Kelten etc....
--- Ende Zitat ---
@Colourize: sicher gibt es die. Aber nicht in Hamburg. :mrgreen:
Buddel!:
In welchen anderen Stadt kriegt man sonst noch eine Antwort auf "Hommel, Hommel" ?
Mentallo:
In keiner Stadt macht man eine bessere Figur, wenn man von den Landungsbrücken schifft, weil man zuviel Astra getrunken hat!
Eisbär:
Wir fahren nachts
Hamburgmüde? Großstadtfrust? Streß im job? Da hilft nur ein spektakulärer Ausflug. Zum Beispiel nachts über die Köhlbrandbrücke.
Von Bernd Begemann
"Ich lebe jetzt seit vier Jahren in Hamburg. Wird Zeit, daß es mal besser wird." Sie sagt das sachlich. Ich sortierte die just hereinkommenden Biere auf unsere Tresenecke, damit sie die Hände frei hatte zum Erzählen und Rauchen.
"Telefonmarketing! Was für ein Witz. Ich belege liebe Omis aus der eifel mit Telefonterror. Schwatze ihnen Prinzessin-Diana-Puppen auf. Das sind die Sissi-Puppen aus dem letzten Jahr mit ausgewechselten Köpfen. Neunundachtzig Mark Neunzig, nur für kurze Zeit, da müssen Sie zugreifen! Scheiße."
Deshalb geht man dann ja abends Bier trinken, dachte ich.
"Gibt es nichts, was dir Spaß macht bei der Arbeit?"
"Nein."
"Irgendein Kollege?"
"Nein."
"Irgendwas, das du vom Fenster aus beobachten kannst?"
"Es gibt kein Fenster."
"Oh."
Sie nahm den ersten Schluck Bier langsam, fast meditierend, wie bei einer Weinprobe.
"Gestern bin ich zum Chef gegangen und habe gesagt, das ist doch alles Quatsch, diese Hongkong-Trash-Puppen sind höchstens fünf Mark wert, damit sollte man die Greifautomaten an den Autobahnraststätten auffüllen, und weißt du, was er mir sagt?"
Ein Schluck Bier, etwas schneller diesmal.
"Er sagt: Die Dummen wollen dumm sein."
"Oh... hart. Ganz schön hart."
Sie blickte mich nicht an und sagte: Ich hasse diese Scheißstadt." Und das war der eine Satz, der nicht geht, das scheuchte mich auf.
"Na hör mal, sag doch sowas nicht."
Berliner meckern über Berlin, Münchner lästern über München, Frankfurter schimpfen auf Frankfurt, aber ein Hamburger erträgt es nicht, wenn Hamburg herabgesetzt wird. Besonders dann, wenn er zugezogen ist wie ich. "Die Stadt ist so schön."
"Jaja. die Alste rund die Elbe. Kannst Du mir auf den Bauch binden. Inmteressiert mich alles nicht mehr."
Was sagt man so einem Menschen? Wie begegnet man dem Namenlosen?
Ich wußte es. "Wann bist du zuletzt über die Köhlbrandbrücke gefahren?"
"Die was? Ach so, diese Hochbrücke im Süden. Das war, warte mal... nie."
"Noch nie? Hast Du heute nacht noch etwas vor?"
"Ich trinke dieses Bier hier aus, und dann bestelle ich mir noch eins."
"Nimm die Flasche mit. meine kannst Du auch haben."
Um zwei Uhr früh war kaum Verkehr audf den Straßen. Zuerst etwas reserviert, hatte sie Gefallen an unserem unerwarteten Ausflug gefunden und räkelte sich jetzt auf meinem Beifahrersitz. Am Elbtunnel hörten wir halblaut Punkrock und plapperten. Dann konzentrierte ich mich.
"Wen du hier die Ausfahrt verpaßt, landest du in Wilhelmsburg oder Hannover oder Schlimmer. Wart mal..."
Eine Schleife, noch eine Schleife, am Zollhäuschen vorbei.
"Wir sind jetzt im Freihafen. wenn Du Drogen dabei hast, kenne ich dich nicht."
Da, jetzt waren wir auf der richtigen Rampe. Schräg rechts von uns wuchs die Köhlbrandbrücke nach oben, und meine Beifahrerin wurde still. Recht so. Angemessen still, das mußte man ihr lassen. Eigentlich ein prima Mädchen. Ich ging vom Gas. So langsam wie möglich fuhr ich in den Schein der ersten Brückenlaterne. Es lief "Tha Crossroads" von Bone, Thugs and Hamony, und außer unswar da weit und breit niemand. Wir sahendie Lichter schraffiert durch das Geländer und stiegen höher, sachte, höher.
Zuerst die Details, also erwartungsgemäß Container und Kräne etc.
Alles unter gelbem Flutlicht, interessant, denkst du, das sieht interessant aus, was machen die dort unten? Genau, dir wird klar, daß Du viele Orte nicht kennst, du warst bloß da, wo du herkamst, hinauf, hinauf, und dann versinken die Details im Mantel der Pracht, die sich enthüllt.
"Wow" sagte sie. Genau, wow, dachte ich. Du denkst, du warst schon mal auf einer Brücke, klar du warst schon mal auf einem Turm, du hast schon maletwas von oben gesehen, aber ich schwöre dir, du bist nicht vorbereitet auf diesen Anblick. Nachts von der Köhlbrandbrücke aus betrachtet ist Hamburg endlich komplett.
"Danke." Wir parkten vor ihrer Tür. "Das war schön."
Jetzt hast du es gesehen, dachte ich, jetzt kannst du weitermachen.
"Morgen muß ich wieder früh ran." Sie stieg aus. "Gute Nacht."
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