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Schwierigkeiten im Studium ?
Kallisti:
Ja, also da ich heute eine Sendung im Radio gehört habe (leider nur einen Teil und nicht "in Ruhe" ;) ), in der es darum ging, wie man Kindern aus "Nichtakademikerfamilien" und "bildungsfernen Schichten" die Entscheidung zum Studium und das Gelingen desselben erleichtern, ermöglichen kann (weil reguläre Studienberatungen da offensichtlich Defizite aufweisen!), erinnerte ich mich an meinen eigenen Weg "an die Uni" und an meine eigenen Schwierigkeiten während des Studiums, das ich ja auch leider nicht abgeschlossen habe und nun nicht mehr abschließen kann/darf.
Sendung:
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/tandem/-/id=8986864/nid=8986864/did=9418796/1gmile5/index.html
Das brachte mich zu der Frage, wie es anderen eigentlich in ihrem Studium so ergangen ist - gab es da "Schwierigkeiten" oder lief das alles total problemlos, diszipliniert, rund?
Wenn Schwierigkeiten - welche waren das? Bspw. was Organisation angeht oder Durchhaltevermögen oder auch inhaltliches Verständnis oder Zeitprobleme und Geldsorgen (nebenbei Jobben etc.) oder familiäre/private Probleme, die sich doch auf das Studium auswirkten (negativ)?
Oder auch Probleme "mit sich selbst" - mit dem eigenen Selbstvertrauen ... ?
Ja, bei mir gab es im Grunde alles das ... 8) :D
Und ich hätte mir sowas
http://www.arbeiterkind.de/
"zu meiner Zeit" wirklich gewünscht bzw. brauchen können!
Denn auch ich fand die "normale Studienberatung" nicht wirklich hilfreich. Und auch ich war konfrontiert mit all den Vorurteilen: kostet ja nur Geld, ungewiss, ob das "zu was führt" (weil: geisteswissenschaftliches Studium), woher das Geld nehmen?!? (für Studium und Leben ...!) bzw.: Geld reicht(e) eigentlich immer nicht ... - aber auch schon: wie an die Uni kommen (wenn ohne Abi) - also das musste ich mir mühsam selbst zusammensuchen, organisieren, in Erfahrung bringen ...
und dann vor allem: fehlender Rückhalt/Unterstützung. Eben auch, dass man auf "Ausbildung machen" getrimmt wurde (nicht auf Studieren an Uni).
Gab es das bei euch auch? Wie seid ihr damit umgegangen, wie kamt ihr damit zurecht?
Bei mir war es dann auch so, dass ich mir da einiges gar nicht zutraute, dass man also vlt. auch zu hohe Ansprüche an sich selbst stellte, dass es an Ermutigung/Bestätigung, also: Rückhalt fehlte - dass und warum man das schaffen kann/wird ...
- dass man daher daran erheblich zweifelte.
Dass man sich auch mit anderen verglich, aber da eben nicht "alles" sah, sondern nur "Ausschnitte", die nur einen Teil des Bildes zeigten und man einen falschen Eindruck bekommen konnte ... und noch mehr an sich selbst zweifelte ...
Nun ja. Ich hatte das alles eigentlich schon irgendwie vergessen - ist ja schon eine Weile her. Aber da mir der Abschluss ja doch fehlt (aus Gründen ...) und ich damit sehr hadere (dass ich keine Chance bekomme, ihn doch noch machen zu können, zu dürfen), hat mich diese Radiosendung damit nun wieder "in Tuchfühlung" gebracht - und ins Nachdenken ...
Wie war es also bei euch? Habt ihr es mit Abi an die Uni geschafft? Kommt ihr aus "Akademiker-Familie"/Elternhaus oder nicht?
Hattet ihr familiären Rückhalt, Unterstützung: emotional und/oder auch finanziell?
Wie habt ihr euer Studium finanziert? Habt ihr es innerhalb der Regelstudienzeit abgeschlossen? Gab es "Pausen" (Urlaubssemester) - warum/wofür? Oder auch Studienfachwechsel oder (mehrere) Ortswechsel? Wie habt ihr das geschafft?
Gab es "Durchhänger" und wie habt ihr sie bewältigt - oder auch nicht ;) ?
Was hat euch motiviert oder Kraft, Zuversicht gegeben (wenn)? Was waren Hindernisse/Hürden, die ihr nehmen musstet, die ihr euch anders gewünscht hättet?
... ?
Multivac:
hürden - egal welcher natur - bewältigt man vor allem durch einen starken willen.
SchwarzMetallerHH:
Eine gewisse Fachliche Kompetenz hilf auch ungemein.
Daher kann ich auf einen (finde ich) ansehnlichen CV zurückblicken.
Wirkliche Probleme hatte ich nicht oder musste sie eben einfach irgendwie bewältigen.
Daher kann ich zum eigentlichen Thema gar nicht wirklich was sagen.
Multivac:
nun, die fachliche kompetenz kommt aber auch nicht von allein.
die einen lernen gern, die anderen zwingen sich dazu und nutzen dazu den von mir angesprochenen starken willen,
und die dritten lernen nicht, erwerben die fachliche kompetenz nicht und jammern hinterher, welchen hürden sie doch
gegenüberstanden, anstatt sich mal zusammenzureißen >:(
messie:
Ich kann drei Sorten von Schwierigkeiten bezüglich eines Studiums nennen:
1) Eignung,
2) Wille,
3) Organisatorisches seitens der Uni.
Die Reihenfolge ist nicht zufällig gewählt. :)
Zuerst einmal: Nicht jeder ist zum Studierenden geeignet.
Ich meine damit nicht primär die Intelligenz, sondern eher die Fähigkeit sich zu organisieren, eigenverantwortlich Ziele zu setzen und diese dann auch gegenüber dem Lehrpersonal vor Ort selbstbewusst zu vertreten. Denn wenn die Profs merken wo man hin will, dann bauen sich in der Regel viele Hürden von selbst ab, weil man dann keine Gegner, sondern Mentoren innerhalb der Uni an seiner Seite hat. ;)
Zum Zweiten der Wille: Jener abzuschließen (alleine daran scheitern viele, die Angst vorm Versagen am Schluss und so), der Wille sich durchzusetzen gegenüber anderen Studierenden (wenn der Professor nur zwei Leute pro Semester für seine Diplomarbeit annimmt, dann gilt es halt einer dieser beiden zu sein!), der Wille sich auch zu quälen in der Schlussphase (jeder den ich kenne und der seine Abschlussarbeit schrieb, nahm in jener Zeit bemerkenswert viel ab ;) ) und z.T. auch vorher.
Und erst zum Dritten gibt es die so vielbeschrienen organisatorischen Hürden.
Da geht mal ein Professor in Rente und der nächste erkennt die Scheine die man beim anderen gemacht hat nicht an, da braucht man einen letzten Schein um zugelassen zu werden zu den Prüfungen, der wird aber leider ein Jahr lang nicht angeboten, da werden Prüfungstermine so gelegt dass man nur eine von zweien schreiben kann weil sie parallel stattfinden, da gibt's die Professoren denen Order von oben gegeben wird dass sie 90% Durchfallquote brauchen, also korrigieren sie dermaßen pingelig dass sie ihre Quote auch erfüllen, da kann man seine letzten Scheine nicht machen weil die Kurse voll sind, weil andere Langzeitsemester halt trotzdem vorgehen, da kann man über ein Jahr auf eine Korrektur seiner Abschlussarbeit warten weil dem Prof. Urlaub und Forschung wichtiger sind ...
... und, und, und.
Das alles aber, dieser ganze Ärger, auch mit Prüfungsämtern ("wie, Sie wussten nicht dass sich was geändert hat und Sie noch diesen Schein brauchen? Ja, steht auch noch nirgends in den Informationsbroschüren, aber das weiß man doch!"), etcetera, pp., täuscht nicht drüber hinweg, dass man auch diesen wuppen kann, wenn, ja: Wenn man bei Punkt 1 und Punkt 2 gut aufgestellt ist.
Ich habe jetzt die Bachelor-Studiengänge mal außen vor gelassen, denn diese haben noch einen anderen Pferdefuß: Dass da Leute in 3 Jahren etwas gelernt haben sollen, was zuvor in 5 Jahren Pflicht war. Wie die drei Viertel die kein Bafög kriegen das hinkriegen sollen, ist mir ein echtes Rätsel. 20 Stunden nebenher arbeiten (fürs Lohn und Brot) zu dem Stress, den jene haben? Kann ich mir nicht vorstellen.
Aber wer weiß, vielleicht ist hier Punkt 2 dann ja besonders gut ausgeprägt, sorgt dann für Eignung (Punkt 1) und gut ist. :)
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