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Soldaten sind Mörder?!
Huehne:
Ein Thema was mich wieder öfters beschäftigt. Vor ab wäre zu erwähnen, dass mein Vater als Zivilist für die Bundeswehr gearbeitet hat. Ich selber habe 4 Jahre als Zeitsoldat gedient.
Sind Soldaten Mörder? Eher selten.
Sind sie potentielle Mörder? Auf jeden Fall - wie halt jeder normale Mensch auch !
Sind Bundeswehrsoldaten Mörder? NEIN - eher im Gegenteil - Es sind Lebensretter (dürft ihr gerne zitieren :D :D )
In meiner vierjährigen Dienstzeit habe ich das Schießen auf Zielscheiben gelernt - und nicht das Töten von Menschen. Aber ich habe gelernt, Menschenleben zu retten. Noch bevor ich an der Waffe ausgebildet wurde, habe ich einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. Und während meiner Dienstzeit habe ich nie auf einen Menschen geschossen noch dabei geholfen, Menschen zu töten. Aber ich habe aktiv geholfen, Menschenleben zu retten.
Ausserdem empfinde ich die Aussage "Soldaten sind Mörder" als eine Beleidigung. Wird hier doch in der Aussage klar und ohne Differenzierung festgestellt, das alle Soldaten ohne Ausnahme Mörder sind. Wobei Mord bekanntlich eine Straftat darstellt. Aber was ist Mord? Was zeichnet eine Mord aus? Laut Gesetz: Wenn jemand einen Anderen aus niederen Beweggründen, heimtückisch und arglos, oder gar wehrlos tötet, beginnt einen Mord.
Aber bei Soldaten ist dies ja nicht gegeben. Soldaten töten nicht aus Habgier, Eifersucht, Neid, Mordlust oder zur Befriedigung des Geschlechtstriebes. Sie töten im Endeffekt aus Selbstschutz, wenn auch oftmals aus preventiven Gründen. Und warum? Weil sie wie jeder Mensch leben wollen.
Ich habe nichts dagegen, wenn Demonstranten etwas aus den Werken von Kurt Tucholsky zitieren. Aber, solange sie den Worten nicht beifügen, wen sie zitieren, stellt für mich die Aussage "Soldaten sind Mörder" eine gezielte und bewusste Beleidigung dar und sollte auch vom Gesetzgeber wehement verfolgt werden. Genauso als würde man jemand anderen einer Straftat bezichtigen.
Warum töten Soldaten? Weil die Politik letztendlich die Soldaten dazu zwingt, mit Waffengewalt das durchzusetzen, was die Politik mit Worten nicht erreichen konnte. Und aus meiner Sicht ist soetwas Terror. Aber sind deswegen gleich alle Politiker Terroristen??
colourize:
Stellt sich noch die Frage, ob das Töten von Menschen im Auftrag der Regierung eines Staates ein niederer Beweggrund ist. Immerhin machen Soldaten den Job für Geld. Die Parallele zum Auftragskiller seh ich vor meinem ethischen Verständnis da schon als gegeben an: In dem einen Fall (Soldat) ist der Auftragsmord eben staatlich legalisiert, im anderen Fall (Auftragskiller) staatlich sanktioniert.
Da Legalität für mich aber etwas anderes ist als Legitimation, halte ich den Vergleich von Mördern und Soldaten durchaus für gerechtfertigt.
Huehne:
Soldaten bekommen für Ihre Arbeit und für den freiwilligen Verzicht auf uneingeschränkte Grundrechte Geld. Und daran finde ich nichts schlimmes. Ich wehre mich aber dagegen, das Soldaten eine "Kopfprämie" für getöte Menschen erhalten.
Nach meinem Verständnis tötet ein Soldat nicht im Auftrag einer Regierung, sondern lediglich zum Selbstschutz. Wenn ich dann also deinem ethischen Verständnis folgen würde, wäre jeder Mensch, der in Notwehr jemanden tötet, ein Mörder und müsste für mindestens 10 Jahre ins Gefängnis?
Soldaten sind also Mörder für dich. Generell - ohne Ausnahme? Also sind sie auch schon dann Mörder, wenn sie noch niemals jemanden getötet und verletzt haben? Und wie verhält sich dein Verständnis vom Mörder bei den Soldaten, die in den vergangenen 12 Monaten mehr als 1000 Menschenleben gerettet haben?
Und, was mich vor allem noch mehr interessiert - hast Du schon jemals dazu beigetragen, ein Menschenleben zu retten?
Huehne:
Obwohl - in einem Fall muss ich dir recht geben:
Würde einem Soldaten von der Politik aufgetragen, eine bestimmte, namentlich genannte Person zu töten, also es ausdrücklich verlangt wird, dass die Zielperson den Angriff nicht überlebt, müsste ich dir zustimmen - DAS wäre in der Tat Mord!
colourize:
Dass Kopfprämien ethisch nicht vertretbar sind - darüber braucht man wohl kein Wort zu verlieren.
--- Zitat von: "Huehne" ---Nach meinem Verständnis tötet ein Soldat nicht im Auftrag einer Regierung, sondern lediglich zum Selbstschutz.
--- Ende Zitat ---
Das sehe ich anders:
Wenn der Befehl zum Häuserkampf in Falludscha gegeben wird, wird auf alles geschossen, was sich bewegt. Ziemlich wahl- und ziellos. Nicht umsonst sind die meisten Opfer dieser Aktionen aus den eigenen Reihen... "Killed by friendly fire".
Der adäquate Selbstschutz wäre nicht Töten, sondern Befehlsverweigerung.
--- Zitat ---Wenn ich dann also deinem ethischen Verständnis folgen würde, wäre jeder Mensch, der in Notwehr jemanden tötet, ein Mörder und müsste für mindestens 10 Jahre ins Gefängnis?
--- Ende Zitat ---
Beide Teile falsch:
1. Für mich ist nicht jeder, der aus Notwehr tötet ein Möder, sondern Jeder, der aus "niederen Beweggründen" tötet. Ob der Staatsdienst ein "niederer Beweggrund" ist, ist juristisch wohl eindeutig zu verneinen. Ethisch finde ich das aber zumindest diskussionswürdig. Ich vertrete die Position, dass das "Töten im Auftrag des Staates" ethisch als "niederen Beweggrund" einzustufen ist, weil sowohl durch "Vaterlandsliebe" als auch durch "ich will meinen Sold haben" eine solche Tat moralisch nicht zu legitimieren ist.
2. Nicht jeder Mörder muss 10 Jahre in den Knast.
--- Zitat ---Soldaten sind also Mörder für dich. Generell - ohne Ausnahme? Also sind sie auch schon dann Mörder, wenn sie noch niemals jemanden getötet und verletzt haben?
--- Ende Zitat ---
Nein, sie haben vor einem Einsatz ja immer noch die Möglichkeit, den Befehl zu verweigern.
Allerdings wären sie dann naiv: Erst zum Töten verpflichten und dann zu sagen "nee, mach ich doch nicht, hab ich mir anders überlegt" zeugt von einer tiefen Naivität.
Es wäre aber dennoch eine Möglichkeit, dem Dilemma zu entkommen.
Lieber naiv sein als ein Mörder sein, oder?
--- Zitat ---
Und wie verhält sich dein Verständnis vom Mörder bei den Soldaten, die in den vergangenen 12 Monaten mehr als 1000 Menschenleben gerettet haben?
Und, was mich vor allem noch mehr interessiert - hast Du schon jemals dazu beigetragen, ein Menschenleben zu retten?
--- Ende Zitat ---
Das Retten von Menschenleben wiegt das Nehmen von Leben nicht auf.
Das gegeneinander aufrechnen zu wollen halte ich für pervers. Da könnte ja jeder Chefarzt im Krankenhaus in seinem Urlaub zur Entschädigung ein paar Neger im Busch schiessen gehen - er hat ja schließlich das ganze Jahr über Menschenleben gerettet.
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